Die Ankunft in Nepal

Unser kleines Abenteuer begann am 4. November 2017 in Kathmandu, als wir aus dem Flugzeug stiegen, die vertraute asiatische Luft einatmeten und uns sofort in unsere Weltreise zurückversetzt fühlten. Ich weiß nicht, was die Luft dort so besonders macht, aber es braucht nur einen Atemzug, um sich völlig frei zu fühlen und in absoluter Urlaubsstimmung zu sein. Da ist der ganze Einreiseprozess doch gleich viel entspannter.

Nachdem wir unsere Visa bekommen und alle Kontrollen passiert hatten, suchten wir uns ein Taxi und fuhren durch einen riesigen Verkehrstrubel in das Touristenviertel Thamel. Tatsächlich ist der Verkehr dort so chaotisch, dass in Taxis und Bussen sogenannte „Contact Boys“ auf dem Beifahrersitz mitfahren, die dem Fahrer durch Pfeifen und Klopfen signalisieren, ob der Weg frei ist. Das Schöne an Thamel ist, dass die Straßen seit Kurzem für Pkws gesperrt sind und man ganz gemütlich dort entlang schlendern kann. Zumindest wenn man an die ganzen Händler gewöhnt ist, die einem natürlich immer etwas verkaufen wollen. Besonders verbreitet sind dort Läden mit allmöglichem Outdoor-Equipment, was in einem Land wie Nepal ja auch vollkommen Sinn macht. Von Wander- und Winterklamotten über Schlafsäcke bis hin zu Rucksäcken, Steigeisen und Trekkingstöcken findet man dort wirklich alles, was man eventuell zum Wandern gebrauchen könnte. Daneben gibt es zahlreiche Tee- und Gewürzläden, Souvenirshops und Trekking Agencies. Und abhängig vom eigenen Erscheinungsbild werden einem gerne auch Drogen angeboten (davon blieben wir aber die meiste Zeit verschont).

Touristenviertel Thamel

Ein weiterer Vorteil von dem Fahrverbot in Thamel ist die bessere Luft. Und mit „besser“ meine ich keineswegs „gut“. Die Luft in Kathmandu ist absolut katastrophal. Das kann man sich als Europäer wirklich überhaupt nicht vorstellen. Die Luftverschmutzung durch Autoabgase und Müllverbrennungen am Straßenrand und dazu noch die ungünstige Lage mitten im Tal machen das Atmen extrem schwer. Ohne Mundschutz hält man es kaum länger als zwei Tage in dieser Stadt aus. Und auch wir wollten hier daher lieber keine Zeit verlieren.

Flug nach Nepal – linkes Bild: Blick auf Himalaya; rechts Bild: Feinstaub über Kathmandu

Trotzdem gab es noch einiges zu erledigen, bevor wir uns auf den Weg zum Annapurna Circuit machen konnten. Am Tag nach unserer Ankunft statteten wir dem Nepal Tourism Board einen Besuch ab, um unsere Genehmigungen für das Trekking zu besorgen. Insgesamt benötigt man für den Annapurna Circuit nämlich zwei Permits: das ACAP-Permit als Eintrittserlaubnis in die Annapurna Conservation Area und das TIMS-Permit für das Trekkers Information Management System, bei dem sich alle Trekker für Notfälle registrieren müssen. Jede dieser Genehmigungen kostet pro Person ca. 20,- EUR und ist unterwegs mehrfach vorzuzeigen. Das Ausstellen der Genehmigungen ging zum Glück recht fix und so hatten wir noch den ganzen Nachmittag Zeit, um Wanderstöcke und Handschuhe shoppen zu gehen. Letzteres gestaltete sich leider als ziemlich kompliziert, da wir einfach keine gescheiten Handschuhe finden konnten. Entweder waren sie zu dünn oder zu hässlich. Ziel war es ja nicht, irgendein Wegwerfprodukt zu kaufen, sondern etwas, das wir auch zu Hause noch verwenden würden. Am Ende war uns aber klar, dass wir solche Dinge künftig doch lieber zu Hause in Deutschland kaufen. Wer billig kauft, kauft eben letztendlich doch zwei Mal…

Am nächsten Morgen war es dann so weit. Wir machten uns auf den Weg nach Besisahar, dem Startpunkt der Annapurna-Runde. Dafür hatten wir uns Sitze in einem Touristenbus gebucht, denn von den Bussen der Einheimischen wird aus Sicherheitsgründen strengstens abgeraten. Für die Strecke von 175 km haben wir dann immerhin knapp 8 Stunden gebraucht. In Asien ist es übrigens ganz normal, dass aller zwei Stunden eine Pause eingelegt wird. Die Mittagspause ist dabei besonders lang, weil man vor einem Restaurant abgesetzt wird und alle erstmal gemütlich essen. Leider ist kurz vor unserer Mittagspause der Keilriemen vom Bus gerissen und unser Busfahrer musste sich von einem Anwohner ein Motorrad ausleihen, um im nächsten Dorf einen neuen Keilriemen zu besorgen. Die Pause dauerte gefühlt eeewig und hielt den Busfahrer natürlich nicht davon ab, eine halbe Stunde später trotzdem am Stammlokal anzuhalten und seine ausführliche Mittagspause einzulegen. Als wir dann irgendwann in Besisahar waren, war es schon zu spät, um noch am gleichen Tag loszuwandern, aber irgendwie auch zu früh, um den Rest des Tages in diesem eher unschönen Ort herumzusitzen. Wir sprangen deshalb kurzerhand in einen Local Bus, der uns nach Bhulbhule brachte. Bhulbhule ist das zweite Örtchen auf dem Circuit und der Eingangspunkt zur Annapurna Conservation Area. Viele Trekker starten ihre Tour deswegen erst hier, aber die Fahrt hierher ist eher Geschmackssache, um es vorsichtig auszudrücken. Die „Straße“ ist mehr als nur holprig, sodass man hin und wieder vom Sitz abhebt, das Gepäck durch den Bus fliegt und auch die ein oder andere Beule nicht ausbleibt. Die Fahrt dauert aber immerhin nur knapp eine Stunde und ist irgendwie auch ziemlich lustig.

In Bhulbhule angekommen gingen wir einfach gleich in die erstbeste Unterkunft direkt neben der Bushaltestelle. Genau wie alle anderen aus dem Bus auch. Und so wurde es schnell recht voll und gesellig. Wir tranken dann mit einem Australier, einem Kanadier, einer Neuseeländerin, einem Engländer und einem Belgier gemütlich Tee und freuten uns total auf die kommenden Tage. Und in der Nacht lernten wir schon die erste Lektion auf unserer Tour: Nimm niemals ein Zimmer ohne zuvor einmal auf dem Bett gesessen zu haben. Das B(r)ett war nämlich so extrem hart, dass wir kaum ein Auge zu gemacht haben. Trotzdem waren wir am Morgen aber erstaunlich munter. Wir standen zeitig auf, haben unsere Kräfte mit Porridge und gebratenen Nudeln gestärkt und los ging die große Wanderung!

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