Namaste!

29 Tage waren wir in Nepal. Die meiste Zeit davon haben wir auf dem Annapurna Circuit verbracht, einer der schönsten und abwechslungsreichsten Trekkingrouten der Welt. Die Umrundung der Annapurna-Gebirgskette dauert insgesamt fast drei Wochen. Die Route führt an drei der weltweit vierzehn 8.000er vorbei, über einen Pass auf 5.416 m Höhe und schließlich durch das tiefste Tal der Welt. Auf einer Länge von ca. 250-280 km kommt man dabei durch fast alle Klimazonen. Während man anfangs noch bei fast 30 °C durch saftig grüne Wälder und Reisterrassen wandert, kämpft man sich später bei bis zu -15 °C durch karge, steinige Berglandschaften. Da der Trek im Winter wegen Kälte und Schnee nicht begehbar ist und im Sommer Monsunzeit herrscht, sind die besten Monate zum Wandern März/April und Oktober/November. Wir waren im November unterwegs und damit wirklich äußerst zufrieden. Die Sicht ist klar, der Himmel bis mittags stets wolkenfrei. Die absolute Hauptsaison im Oktober ist vorüber und der größte Ansturm von Trekkern weg. Es sind genug Menschen unterwegs, sodass man sich nicht völlig verloren fühlt und man unterwegs nette Leute kennenlernen kann, wenn man möchte. Aber man hat auch seine Ruhe, sieht manchmal stundenlang keine anderen Wanderer und muss sich überhaupt keine Gedanken über den nächsten Schlafplatz machen.

Die Möglichkeiten, den Annapurna Circuit zu bereisen, sind sehr vielfältig. Seit ein paar Jahren wird in Nepal das gesamte Straßennetz ausgebaut und alle Provinzhauptstädte werden daran angebunden. Aus diesem Grund befinden sich auf vielen Abschnitten der Trekkingroute Jeep-Pisten, mit denen man weite Teile des Circuits befahren kann. Nur wenige Wanderer machen daher heute noch die komplette Umrundung. Die Meisten springen nach der Passüberquerung in einen Jeep oder in ein kleines Flugzeug und lassen damit gleich ein ganzes Drittel der Wanderung weg. Wir haben sogar Leute getroffen, die tatsächlich noch nicht einmal wussten, dass der Trek eigentlich noch weiter geht.

Wer möchte, der kann den Circuit auch mit Guide und Träger wandern, notwendig ist das aber nicht. Obwohl die Tour schon allein wegen der Höhe teilweise sehr anstrengend ist, ist sie auch für Anfänger und weniger Trainierte sehr gut alleine machbar. Wir haben sowohl auf Guide als auch auf Träger verzichtet und sind stattdessen mit dem sehr empfehlenswerten Rother Wanderführer losgezogen. Auch im Nachhinein würden wir es niemals anders machen. Nichts ist schöner, als so eine grandiose Wanderung ganz in Ruhe und im eigenen Tempo genießen zu können. Niemand treibt dich voran oder hält dich auf. Niemand macht dir ein schlechtes Gewissen, wenn du zu viele oder zu lange Pausen machst oder vielleicht frühs doch einfach noch eine halbe Stunde länger liegen bleibst. Es ist ohnehin fast unmöglich, sich zu verlaufen und da man keinerlei Ausrüstung benötigt, sollte man sein Gepäck auch selber tragen können. Man muss ja noch nicht einmal seine eigene Verpflegung mitnehmen, denn der Annapurna Circuit ist ein sogenannter „Teahouse Trek“. Das heißt, dass es überall auf dem Weg kleine einheimische Dörfer gibt, in denen man zahlreiche Lodges zum Essen und Übernachten findet. Selbstverständlich darf man dort keine europäischen Standards erwarten; so einen Luxus wie Staubsauger, Waschmaschinen oder auch nur Heizungen kennt man dort natürlich nicht. Im Normalfall gibt es noch nicht einmal richtige Klos, sondern nur Hocktoiletten. Auch warme Duschen findet man eher selten. Aber man gewöhnt sich erstaunlich schnell an das einfache Leben und besser als Campen ist es allemal. Und Eines muss man den Nepalesen definitiv lassen: Kochen können sie! Wir waren ja nun doch schon in so einigen Ländern unterwegs und ohne Zweifel gehört die nepalesische Küche zu unseren absoluten Favoriten. Das Nationalgericht heißt Dal Bhat und steht auf wirklich jeder Karte. Es handelt sich dabei um Linsensuppe (Dal) mit Reis (Bhat), Gemüsecurry und Pappadam, einem hauchdünnen frittierten Fladen aus Linsen- oder Kichererbsenmehl. Die Einheimischen essen dieses Gericht fast täglich und trotzdem wird es nie langweilig, weil es in jeder Küche anders schmeckt. Das Besondere an Dal Bhat ist übrigens, dass man kostenlos Nachschlag bekommt, bis man irgendwann ausdrücklich Stopp sagt. Hier gilt also: All you can eat!

Das nepalesische Nationalgericht Dal Bhat

Zu den weiteren typischen Gerichten gehören noch Momos (gedämpfte Teigtaschen mit Füllung), Samosas (frittierte Teigtaschen mit Gemüsefüllung), allerlei Suppen, gebratener Reis und gebratene Nudeln. Verhungern muss man hier also ganz sicher nicht, zumal die Preise ja durchaus erschwinglich sind. Das Essen wird zwar teurer, je höher man kommt – im Schnitt sind wir aber zu zweit mit 20-25 € pro Tag für drei Mahlzeiten sehr, sehr gut ausgekommen. Und da reden wir hier nicht etwa von kleinen Portiönchen, sondern von „ich ess, bis ich nicht mehr kann“ und dazu gab es dann bei fast jeder Mahlzeit noch 1 bis 2 Liter Tee. Wir haben es uns also schon recht gut gehen lassen für die paar Euro.

In vielen Lodges auf dem Weg zum Pass kann man übrigens – gerade im November, wenn die Hauptsaison vorbei ist – kostenlos schlafen, solange man dort Abendbrot und Frühstück isst. Mehr als 2-3 Euro zahlt man aber eigentlich nie. Das liegt zum Einen natürlich daran, dass die Einheimischen die Trekker in ihre Lodges locken wollen, da sie ihr Haupteinkommen ohnehin mit dem Essen machen. Zum Anderen verlangen die Nepalesen aber auch nur sehr ungern Geld von ihren Gästen. Mehr als Betten gibt es in den Zimmern sowieso nicht – kein Bad, keine Heizung und häufig noch nicht einmal Strom. Das ändert sich allerdings auf der Westseite vom Pass, da diese Seite deutlich touristischer ist. Vor allem Inder pilgern hier gerne zu den verschiedenen Tempeln, aber auch die Jeep-Pisten sind hier besser ausgebaut, sodass Touristen hier leichter hinkommen. Dennoch hat auch hier unsere teuerste Unterkunft gerade mal 8,50 € gekostet – und die hatte sogar eine heiße Dusche. Auf dem Zimmer!

Was man noch beachten sollte: Das Leitungswasser in Nepal ist sehr schmutzig und für uns Europäer daher äußerst unverträglich. Man kann zwar auf dem ganzen Trek Wasser in Flaschen kaufen, aber davon sollte man tunlichst die Finger lassen! Nepal hat ein ungeheures Müllproblem. Plastikflaschen landen dort grundsätzlich in der Natur und werden nicht recycelt. Es ist wirklich traurig, was man dort teilweise zu sehen bekommt. Man sollte also unbedingt seine eigene Trinkflasche mitbringen und das Leitungswasser filtern. Viele verwenden dafür Chlortabletten, aber mal abgesehen von dem abartigen Geschmack ist das ziemlich ungesund. Wir haben uns deswegen einen SteriPEN gekauft, der das Wasser mittels UV-Licht entkeimt. Das ist absolut sicher und geht ganz fix (Chlortabletten brauchen bis zu 2 Stunden). Bei uns hat es wirklich 1a funktioniert.

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