Auf geht’s

Etappe 1: Bhulbhule – Jagat (1.300 m), 8 h

Für die ersten Wandertage haben wir uns viel vorgenommen. Über 20 km lang sollte die erste Etappe werden und das trotz Temperaturen um die 30°C und kürzer werdenden Tagen. Die Tage im November sind in Nepal so schon nicht lang, aber erschwerend dazu kommen ja noch die hohen Berge, hinter denen die Sonne noch viel schneller verschwindet als irgendwo sonst. Dadurch wurde es auf dem Circuit schon ab 16 Uhr schnell dunkel. Und dementsprechend war natürlich bei solch langen Etappen früh aufstehen angesagt – zumal man beim Trekking ja auch jeden Morgen sein ganzes Hab und Gut zusammenpacken muss. Außerdem sollte man auch immer bedenken, dass es in einer gut besuchten Unterkunft durchaus recht lange dauern kann, bis man sein Frühstück serviert bekommt. Immerhin wird in Nepal alles ganz frisch zubereitet. Es ist deswegen auch sehr verbreitet, dass man sein Frühstück einfach schon am Abend zuvor für eine bestimmte Uhrzeit vorbestellt. Die Nepalesen haben es zwar generell nicht so mit der deutschen Pünktlichkeit, aber dennoch klappt das mit dem Vorbestellen meistens erstaunlich gut.

Irgendwie denke ich gerne an den Moment zurück, als der Belgier in Bhulbhule am Abend beim Herren des Hauses Frühstück bestellen wollte und ihn fragte, ob es denn auch richtig zeitig ginge, weil die Jungs sehr früh loswandern wollten. Der Herr fragte dann, was denn „richtig zeitig“ heißen soll und der Belgier meinte „Na so gegen 6.30 Uhr“. Der Nepalese fing an zu lachen und sagte, wir könnten gerne auch schon um 4 Uhr frühstücken. Da war der Belgier völlig entsetzt und rief nur „Duuude, it’s our holidays!“.

Nachdem also am Morgen um 6 Uhr unser Wecker geklingelt hatte und die Schlafsäcke und sonstiger Kram wieder sicher im Rucksack verstaut waren, machten wir uns auf zum Frühstück. Dort trafen wir wieder die Jungs vom Abend, was natürlich dazu führte, dass wir uns verquatschten und dann viel zu spät aufbrachen. Und so ging es dann halt erst 8 Uhr los.

In Bhulbhule überquerten wir einen Fluss, der uns noch tagelang begleiten sollte. Die ursprüngliche Wanderstrecke befindet sich links vom Fluss und ist inzwischen eigentlich nur noch eine staubige Jeep-Piste. Wegen des Straßenbaus wurde nun aber rechts vom Fluss eine Alternativroute markiert, für die auch wir uns entschieden haben. Sie ist etwas länger und wohl auch anstrengender, aber dafür wunderschön. Schon kurz nach Bhulbhule konnten wir einen ersten Blick auf schneebedeckte Bergriesen in der Ferne werfen. Aber das sollte vorerst auch der letzte Blick darauf bleiben, denn die Berge verschwanden schnell wieder und waren dann erstmal nicht mehr zu sehen. Stattdessen wanderten wir durch saftig grüne Wiesen und Wälder, kleine Dörfer und Unmengen von Reisterrassen. Überall sah man Nepalesen auf Feldern arbeiten und Kinder auf den Straßen spielen. Immer wieder wurden wir mit einem freundlichen „Namaste“ begrüßt und mit neugierigen Blicken beobachtet. Aber leider kommt es in diesen abgeschiedenen, armen Dörfern auch immer wieder vor, dass man von Kindern belagert wird, die nach Geld oder Süßigkeiten betteln. So leid einem die Kleinen aber manchmal tun, man sollte ihnen nichts von beidem geben. Geld sowieso nicht, das ist überall in Asien so. Gibt man den Kindern Geld, werden sie von ihren Eltern weiter zum Betteln auf die Straße geschickt statt in die Schule. Am Ende hilft man ihnen damit sicher nicht. Aber auch Süßigkeiten sollte man den Kindern dort nicht geben. Da es keine Zahnärzte gibt und die meisten Dorfbewohner sich auch sonst nicht groß um Zahnpflege scheren, schadet man den Kindern mit dem Zucker nur. Im ersten Moment klingt es zwar gar nicht so schwer, den Kindern nichts Süßes zu geben. Aber tatsächlich ist es manchmal gar nicht so leicht. In vielen Momenten denkt man überhaupt nicht daran, dass man sich gleich in eine unangenehme Lage bringen wird. Für uns ist es ja völlig normal, dass man unterwegs mal einen kleinen Snack isst und einfach mal einen Müsliriegel auspackt. Für die Kinder dort aber nicht. Die bleiben alle schlagartig stehen und starren dich an. Man kann die knurrenden Mägen förmlich hören. Und auch wir haben recht schnell dazu gelernt. Wir hatten nämlich aus einer Bäckerei in Kathmandu ein paar Kekse dabei, die schon halb zerkrümelt waren und die wir deswegen in das äußere Netzfach meines Rucksacks gepackt hatten. Es dauerte natürlich nicht lange, da wurden wir von Kindern verfolgt, die ständig nach meinem Rucksack griffen. „Na gut, nur dieses eine Mal“, dachten wir uns. Wir gaben jedem Kind einen Keks und gingen weiter. Kurz danach kam noch ein einzelnes kleines Kind angerannt, das die Keksrunde verpasst hatte und tottraurig war. Wir gaben ihm noch einen und verstauten den Rest gut verdeckt im Rucksack. Dieser Fehler sollte uns nicht nochmal passieren. Wer den Kindern dort etwas Gutes tun möchte, der sollte lieber Spielzeug dabei haben. Ich hab mal was von Luftballons gelesen, aber das halte ich in einem so vermüllten Land wie Nepal für keine gute Idee. Dann vielleicht doch lieber Nüsse.

Bhulbhule

Obwohl wir beim Wandern kaum Fotopausen machten, kamen wir doch nur sehr langsam voran. Wir merkten recht schnell, dass wir die vorgegebene Zeit unseres Wanderführers nicht schaffen würden und wurden etwas unruhig. Schließlich war unsere Etappe so schon recht lang und wir wollten auf keinen Fall im Dunkeln wandern oder die guten Schlafplätze verpassen. Und das hielt uns letztlich auch davon ab, überhaupt Pausen einzulegen. Bei der Hitze und dem langen Aufstieg wurde der Tag dadurch extrem anstrengend. Leider hat es uns Mutter Natur ja auch nicht gerade einfach gemacht. Denn nachdem man sich stundenlang einen Berg hinauf gequält hat, geht es nicht etwa geradeaus weiter, sondern es geht wieder steil bergab. Und zwar nur, damit es – unten angekommen – sofort wieder bergauf gehen kann. Wäre ja sonst auch langweilig.

Reisterrassen

Als wir also endlich den ersten Aufstieg geschafft hatten, fanden wir uns in dem wirklich schönen Ort Bahundanda wieder. Viele Wanderer legen hier eine Mittagspause ein oder übernachten hier. Aber wir waren leider schon zu spät dran und gingen deswegen direkt weiter. Am Ende des Dorfes gibt es einen kleinen Abzweig zu einem Aussichtspunkt, aber wir wollten uns keine Verzögerungen erlauben. Darüber, dass wir an diesem Aussichtspunkt vorbeigelaufen sind, ärgere ich mich heute noch. Nur wenige Meter später begann nämlich der steile Abstieg – mit einer unglaublichen Aussicht auf das Tal. Wir konnten einfach gar nicht anders, als unsere Rucksäcke abzusetzen und den Anblick zu genießen. Wäre da nicht ein alter nepalesischer Opi gewesen, der uns schon seit dem Dorf verfolgt hatte und nun wild gestikulierend hinter uns stand. Er zeigte immer wieder auf sich und machte dann eine Geste, als ob er sich eine Kamera an das Auge hält und ein Foto schießt. Wir waren uns nicht sicher, ob er unsere Kamera haben wollte, um uns zu fotografieren oder ob er selbst fotografiert werden wollte. Sicher war jedenfalls, dass wir unsere Kameras nicht aus den Händen geben würden. Als ich dann ein Foto von ihm machen wollte, verlangte er nach Geld. Gut, dann halt nicht, Opi. Wir blieben einfach noch eine Weile stehen, in der Hoffnung, dass der Herr irgendwann gehen würde. Aber das tat er nicht. Also begannen wir unseren Abstieg. Der Opi folgte uns, aber bereits innerhalb kürzester Zeit hatten wir ihn abgehängt.

Bahundanda

Das ist leider das Problem mit Asien; wir sind durch Vietnam immer noch etwas geschädigt, wo viele der Einheimischen einfach nur unfreundlich waren und permanent versucht haben, uns abzuzocken. Dadurch gehen wir den Einheimischen oftmals einfach aus dem Weg, statt uns auf sie einzulassen. Dadurch entgeht man zwar der ein oder anderen Abzocke – aber man verpasst auch unheimlich viel. Später auf dem Trek wurden uns zum Beispiel von einigen Dorfbewohnern Orangen angeboten, die wir dankend ablehnten und schnell weitergingen. Dann trafen wir eine Schweizerin mit einem ganzen Haufen Obst im Gepäck. Die Dorfbewohner hatten es verschenkt und wollten überhaupt kein Geld dafür. Sie wollten einfach nur den Wanderern etwas Gutes tun. Ziemlich unhöflich, so eine liebe Geste abzulehnen, oder?

Nunja, zurück zu Etappe 1… Nachdem wir also den Abstieg hinter uns gelassen hatten, ging es weiter durch Reisfelder und Wald. Wir durchquerten das kleine Örtchen Lili, wo wir uns am Wegrand schnell einen frischgepressten, unfassbar leckeren Orangensaft gönnten (übrigens: die Orangen sind dort grün!) und kamen dann in das hübsche Dörfchen Ghermu, an dessen Ende wir eine gemütliche Lodge entdeckten. Ein guter Platz für eine kleine Teepause. Da wir zu diesem Zeitpunkt bereits ziemlich im Eimer waren und Fab inzwischen ziemliche Schulterschmerzen hatte, kam uns das äußerst gelegen. Wir stellten unsere Rucksäcke ab, zogen die Wanderschuhe aus und lehnten uns für einige Minuten entspannt zurück. Es war bereits 14 Uhr und wir hatten noch zwei anstrengende Stunden vor uns. Einen kurzen Augenblick lang überlegten wir, einfach hier zu bleiben. Aber irgendwie wollten wir nicht schon am ersten Tag in Rückstand geraten. Man weiß ja nicht, was noch kommt. Und wir waren uns zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht sicher, ob wir es beim Circuit belassen oder im Anschluss daran noch weiter zum Annapurna Basecamp laufen wollten. Die Wanderung dorthin hätte noch zusätzliche 7 Tage in Anspruch genommen und unser Zeitfenster für den Circuit damit deutlich verkürzt. Wir bissen also die Zähne zusammen. Ich nahm Fab noch etwas Gewicht ab, um seine Schulter zu entlasten und dann wanderten wir weiter.

Ghermu

Schon kurz nach Ghermu kamen wir an eine Hängebrücke, die uns nach Syange führte. Von solchen Hängebrücken gibt es auf dem Trek wirklich Unzählige – sehr zur Freude für mich und meine Höhenangst. Nicht. An Fab geklammert und den Blick starr auf meine Füße gerichtet hatte ich mich schon über die halbe Brücke gequält, da höre ich nur ein „Oh-oh“ von Fab. Wir bekamen Gegenverkehr. Von einer Herde Esel. Wir mussten also wieder umdrehen, den ganzen Weg über die Brücke zurücklaufen und dann vor der Brücke geduldig warten, bis alle Esel an uns vorbeigetrottet waren. Und dann durften wir noch einmal von vorne anfangen.

Syange

Nach der Brücke kamen wir wieder zurück auf die Jeep-Piste, der wir nun bis zum Etappenziel folgen mussten. Die Straße führte im Zick-Zack steil den Berg hinauf und saugte noch den letzten Tropfen Energie aus uns heraus. Immer wieder fuhren Jeeps an uns vorbei, die den Staub auf der Piste aufwirbelten und uns das Atmen noch zusätzlich erschwerten. Doch irgendwann war es endlich so weit; wir konnten in kurzer Entfernung Jagat erkennen, unser Etappenziel für heute.

Jagat

Dort angekommen, lachten uns in der ersten Unterkunft am Ortseingang der Belgier und der Engländer entgegen. Aber wir hatten in unserem Wanderführer von einer ganz tollen Lodge gelesen und liefen deswegen weiter. Ein Fehler, wie sich herausstellte. Als wir in der Eco Lodge ankamen, ließen wir uns ein Zimmer zeigen. Geräumig, dicke Matratzen, sogar ein eigenes Klo und eine warme Gemeinschaftsdusche – was will man mehr? Leider waren vor uns bereits so viele duschen, dass das Wasser eiskalt und die Dusche abartig dreckig war. Fab ist beim Duschen erstmal die Seife aus der Hand gerutscht und – wie sollte es auch anders sein – geradewegs ins Hockklo gefallen. Außerdem schien die Unterkunft nicht nur in unserem Wanderführer bekannt zu sein. Die Lodge füllte sich rasend schnell mit ganzen Gruppen von Wanderern, denn scheinbar ist sie sehr beliebt bei den Guides und Trägern. Mit Entspannung und Ruhe war also nichts. Daher entschieden wir uns, einfach sehr zeitig ins Bett zu gehen. Aber es dauerte nicht lange, da wurden wir ziemlich brutal aus dem Schlaf gerissen. Was man nämlich wissen sollte ist, dass die Häuser in diesen Dörfern allesamt komplett aus Holz gebaut sind. Und irgendwann betraten drei kräftige Engländer ihr Zimmer über uns. Man könnte meinen, sie seien durch ihr Zimmer gesprungen, so wie es bei jedem Schritt gepoltert hat. Es war ein Höllenlärm, unsere Betten haben gewackelt und es rieselte Dreck von der Decke. Und man konnte natürlich jedes Wort hören, das sie da oben wechselten. Und jedes Mal, wenn wir gerade wieder am einschlafen waren, rumpelte es wieder. Und jedes Mal schreckten wir wieder aus dem Schlaf. Irgendwann fing ich an mich zu fragen, wie lange die Decke das Ganze wohl aushalten würde. Und das war Lektion 2: Schlaf immer im Obergeschoss!

Die Ankunft in Nepal

Unser kleines Abenteuer begann am 4. November 2017 in Kathmandu, als wir aus dem Flugzeug stiegen, die vertraute asiatische Luft einatmeten und uns sofort in unsere Weltreise zurückversetzt fühlten. Ich weiß nicht, was die Luft dort so besonders macht, aber es braucht nur einen Atemzug, um sich völlig frei zu fühlen und in absoluter Urlaubsstimmung zu sein. Da ist der ganze Einreiseprozess doch gleich viel entspannter.

Nachdem wir unsere Visa bekommen und alle Kontrollen passiert hatten, suchten wir uns ein Taxi und fuhren durch einen riesigen Verkehrstrubel in das Touristenviertel Thamel. Tatsächlich ist der Verkehr dort so chaotisch, dass in Taxis und Bussen sogenannte „Contact Boys“ auf dem Beifahrersitz mitfahren, die dem Fahrer durch Pfeifen und Klopfen signalisieren, ob der Weg frei ist. Das Schöne an Thamel ist, dass die Straßen seit Kurzem für Pkws gesperrt sind und man ganz gemütlich dort entlang schlendern kann. Zumindest wenn man an die ganzen Händler gewöhnt ist, die einem natürlich immer etwas verkaufen wollen. Besonders verbreitet sind dort Läden mit allmöglichem Outdoor-Equipment, was in einem Land wie Nepal ja auch vollkommen Sinn macht. Von Wander- und Winterklamotten über Schlafsäcke bis hin zu Rucksäcken, Steigeisen und Trekkingstöcken findet man dort wirklich alles, was man eventuell zum Wandern gebrauchen könnte. Daneben gibt es zahlreiche Tee- und Gewürzläden, Souvenirshops und Trekking Agencies. Und abhängig vom eigenen Erscheinungsbild werden einem gerne auch Drogen angeboten (davon blieben wir aber die meiste Zeit verschont).

Touristenviertel Thamel

Ein weiterer Vorteil von dem Fahrverbot in Thamel ist die bessere Luft. Und mit „besser“ meine ich keineswegs „gut“. Die Luft in Kathmandu ist absolut katastrophal. Das kann man sich als Europäer wirklich überhaupt nicht vorstellen. Die Luftverschmutzung durch Autoabgase und Müllverbrennungen am Straßenrand und dazu noch die ungünstige Lage mitten im Tal machen das Atmen extrem schwer. Ohne Mundschutz hält man es kaum länger als zwei Tage in dieser Stadt aus. Und auch wir wollten hier daher lieber keine Zeit verlieren.

Flug nach Nepal – linkes Bild: Blick auf Himalaya; rechts Bild: Feinstaub über Kathmandu

Trotzdem gab es noch einiges zu erledigen, bevor wir uns auf den Weg zum Annapurna Circuit machen konnten. Am Tag nach unserer Ankunft statteten wir dem Nepal Tourism Board einen Besuch ab, um unsere Genehmigungen für das Trekking zu besorgen. Insgesamt benötigt man für den Annapurna Circuit nämlich zwei Permits: das ACAP-Permit als Eintrittserlaubnis in die Annapurna Conservation Area und das TIMS-Permit für das Trekkers Information Management System, bei dem sich alle Trekker für Notfälle registrieren müssen. Jede dieser Genehmigungen kostet pro Person ca. 20,- EUR und ist unterwegs mehrfach vorzuzeigen. Das Ausstellen der Genehmigungen ging zum Glück recht fix und so hatten wir noch den ganzen Nachmittag Zeit, um Wanderstöcke und Handschuhe shoppen zu gehen. Letzteres gestaltete sich leider als ziemlich kompliziert, da wir einfach keine gescheiten Handschuhe finden konnten. Entweder waren sie zu dünn oder zu hässlich. Ziel war es ja nicht, irgendein Wegwerfprodukt zu kaufen, sondern etwas, das wir auch zu Hause noch verwenden würden. Am Ende war uns aber klar, dass wir solche Dinge künftig doch lieber zu Hause in Deutschland kaufen. Wer billig kauft, kauft eben letztendlich doch zwei Mal…

Am nächsten Morgen war es dann so weit. Wir machten uns auf den Weg nach Besisahar, dem Startpunkt der Annapurna-Runde. Dafür hatten wir uns Sitze in einem Touristenbus gebucht, denn von den Bussen der Einheimischen wird aus Sicherheitsgründen strengstens abgeraten. Für die Strecke von 175 km haben wir dann immerhin knapp 8 Stunden gebraucht. In Asien ist es übrigens ganz normal, dass aller zwei Stunden eine Pause eingelegt wird. Die Mittagspause ist dabei besonders lang, weil man vor einem Restaurant abgesetzt wird und alle erstmal gemütlich essen. Leider ist kurz vor unserer Mittagspause der Keilriemen vom Bus gerissen und unser Busfahrer musste sich von einem Anwohner ein Motorrad ausleihen, um im nächsten Dorf einen neuen Keilriemen zu besorgen. Die Pause dauerte gefühlt eeewig und hielt den Busfahrer natürlich nicht davon ab, eine halbe Stunde später trotzdem am Stammlokal anzuhalten und seine ausführliche Mittagspause einzulegen. Als wir dann irgendwann in Besisahar waren, war es schon zu spät, um noch am gleichen Tag loszuwandern, aber irgendwie auch zu früh, um den Rest des Tages in diesem eher unschönen Ort herumzusitzen. Wir sprangen deshalb kurzerhand in einen Local Bus, der uns nach Bhulbhule brachte. Bhulbhule ist das zweite Örtchen auf dem Circuit und der Eingangspunkt zur Annapurna Conservation Area. Viele Trekker starten ihre Tour deswegen erst hier, aber die Fahrt hierher ist eher Geschmackssache, um es vorsichtig auszudrücken. Die „Straße“ ist mehr als nur holprig, sodass man hin und wieder vom Sitz abhebt, das Gepäck durch den Bus fliegt und auch die ein oder andere Beule nicht ausbleibt. Die Fahrt dauert aber immerhin nur knapp eine Stunde und ist irgendwie auch ziemlich lustig.

In Bhulbhule angekommen gingen wir einfach gleich in die erstbeste Unterkunft direkt neben der Bushaltestelle. Genau wie alle anderen aus dem Bus auch. Und so wurde es schnell recht voll und gesellig. Wir tranken dann mit einem Australier, einem Kanadier, einer Neuseeländerin, einem Engländer und einem Belgier gemütlich Tee und freuten uns total auf die kommenden Tage. Und in der Nacht lernten wir schon die erste Lektion auf unserer Tour: Nimm niemals ein Zimmer ohne zuvor einmal auf dem Bett gesessen zu haben. Das B(r)ett war nämlich so extrem hart, dass wir kaum ein Auge zu gemacht haben. Trotzdem waren wir am Morgen aber erstaunlich munter. Wir standen zeitig auf, haben unsere Kräfte mit Porridge und gebratenen Nudeln gestärkt und los ging die große Wanderung!

Namaste!

29 Tage waren wir in Nepal. Die meiste Zeit davon haben wir auf dem Annapurna Circuit verbracht, einer der schönsten und abwechslungsreichsten Trekkingrouten der Welt. Die Umrundung der Annapurna-Gebirgskette dauert insgesamt fast drei Wochen. Die Route führt an drei der weltweit vierzehn 8.000er vorbei, über einen Pass auf 5.416 m Höhe und schließlich durch das tiefste Tal der Welt. Auf einer Länge von ca. 250-280 km kommt man dabei durch fast alle Klimazonen. Während man anfangs noch bei fast 30 °C durch saftig grüne Wälder und Reisterrassen wandert, kämpft man sich später bei bis zu -15 °C durch karge, steinige Berglandschaften. Da der Trek im Winter wegen Kälte und Schnee nicht begehbar ist und im Sommer Monsunzeit herrscht, sind die besten Monate zum Wandern März/April und Oktober/November. Wir waren im November unterwegs und damit wirklich äußerst zufrieden. Die Sicht ist klar, der Himmel bis mittags stets wolkenfrei. Die absolute Hauptsaison im Oktober ist vorüber und der größte Ansturm von Trekkern weg. Es sind genug Menschen unterwegs, sodass man sich nicht völlig verloren fühlt und man unterwegs nette Leute kennenlernen kann, wenn man möchte. Aber man hat auch seine Ruhe, sieht manchmal stundenlang keine anderen Wanderer und muss sich überhaupt keine Gedanken über den nächsten Schlafplatz machen.

Die Möglichkeiten, den Annapurna Circuit zu bereisen, sind sehr vielfältig. Seit ein paar Jahren wird in Nepal das gesamte Straßennetz ausgebaut und alle Provinzhauptstädte werden daran angebunden. Aus diesem Grund befinden sich auf vielen Abschnitten der Trekkingroute Jeep-Pisten, mit denen man weite Teile des Circuits befahren kann. Nur wenige Wanderer machen daher heute noch die komplette Umrundung. Die Meisten springen nach der Passüberquerung in einen Jeep oder in ein kleines Flugzeug und lassen damit gleich ein ganzes Drittel der Wanderung weg. Wir haben sogar Leute getroffen, die tatsächlich noch nicht einmal wussten, dass der Trek eigentlich noch weiter geht.

Wer möchte, der kann den Circuit auch mit Guide und Träger wandern, notwendig ist das aber nicht. Obwohl die Tour schon allein wegen der Höhe teilweise sehr anstrengend ist, ist sie auch für Anfänger und weniger Trainierte sehr gut alleine machbar. Wir haben sowohl auf Guide als auch auf Träger verzichtet und sind stattdessen mit dem sehr empfehlenswerten Rother Wanderführer losgezogen. Auch im Nachhinein würden wir es niemals anders machen. Nichts ist schöner, als so eine grandiose Wanderung ganz in Ruhe und im eigenen Tempo genießen zu können. Niemand treibt dich voran oder hält dich auf. Niemand macht dir ein schlechtes Gewissen, wenn du zu viele oder zu lange Pausen machst oder vielleicht frühs doch einfach noch eine halbe Stunde länger liegen bleibst. Es ist ohnehin fast unmöglich, sich zu verlaufen und da man keinerlei Ausrüstung benötigt, sollte man sein Gepäck auch selber tragen können. Man muss ja noch nicht einmal seine eigene Verpflegung mitnehmen, denn der Annapurna Circuit ist ein sogenannter „Teahouse Trek“. Das heißt, dass es überall auf dem Weg kleine einheimische Dörfer gibt, in denen man zahlreiche Lodges zum Essen und Übernachten findet. Selbstverständlich darf man dort keine europäischen Standards erwarten; so einen Luxus wie Staubsauger, Waschmaschinen oder auch nur Heizungen kennt man dort natürlich nicht. Im Normalfall gibt es noch nicht einmal richtige Klos, sondern nur Hocktoiletten. Auch warme Duschen findet man eher selten. Aber man gewöhnt sich erstaunlich schnell an das einfache Leben und besser als Campen ist es allemal. Und Eines muss man den Nepalesen definitiv lassen: Kochen können sie! Wir waren ja nun doch schon in so einigen Ländern unterwegs und ohne Zweifel gehört die nepalesische Küche zu unseren absoluten Favoriten. Das Nationalgericht heißt Dal Bhat und steht auf wirklich jeder Karte. Es handelt sich dabei um Linsensuppe (Dal) mit Reis (Bhat), Gemüsecurry und Pappadam, einem hauchdünnen frittierten Fladen aus Linsen- oder Kichererbsenmehl. Die Einheimischen essen dieses Gericht fast täglich und trotzdem wird es nie langweilig, weil es in jeder Küche anders schmeckt. Das Besondere an Dal Bhat ist übrigens, dass man kostenlos Nachschlag bekommt, bis man irgendwann ausdrücklich Stopp sagt. Hier gilt also: All you can eat!

Das nepalesische Nationalgericht Dal Bhat

Zu den weiteren typischen Gerichten gehören noch Momos (gedämpfte Teigtaschen mit Füllung), Samosas (frittierte Teigtaschen mit Gemüsefüllung), allerlei Suppen, gebratener Reis und gebratene Nudeln. Verhungern muss man hier also ganz sicher nicht, zumal die Preise ja durchaus erschwinglich sind. Das Essen wird zwar teurer, je höher man kommt – im Schnitt sind wir aber zu zweit mit 20-25 € pro Tag für drei Mahlzeiten sehr, sehr gut ausgekommen. Und da reden wir hier nicht etwa von kleinen Portiönchen, sondern von „ich ess, bis ich nicht mehr kann“ und dazu gab es dann bei fast jeder Mahlzeit noch 1 bis 2 Liter Tee. Wir haben es uns also schon recht gut gehen lassen für die paar Euro.

In vielen Lodges auf dem Weg zum Pass kann man übrigens – gerade im November, wenn die Hauptsaison vorbei ist – kostenlos schlafen, solange man dort Abendbrot und Frühstück isst. Mehr als 2-3 Euro zahlt man aber eigentlich nie. Das liegt zum Einen natürlich daran, dass die Einheimischen die Trekker in ihre Lodges locken wollen, da sie ihr Haupteinkommen ohnehin mit dem Essen machen. Zum Anderen verlangen die Nepalesen aber auch nur sehr ungern Geld von ihren Gästen. Mehr als Betten gibt es in den Zimmern sowieso nicht – kein Bad, keine Heizung und häufig noch nicht einmal Strom. Das ändert sich allerdings auf der Westseite vom Pass, da diese Seite deutlich touristischer ist. Vor allem Inder pilgern hier gerne zu den verschiedenen Tempeln, aber auch die Jeep-Pisten sind hier besser ausgebaut, sodass Touristen hier leichter hinkommen. Dennoch hat auch hier unsere teuerste Unterkunft gerade mal 8,50 € gekostet – und die hatte sogar eine heiße Dusche. Auf dem Zimmer!

Was man noch beachten sollte: Das Leitungswasser in Nepal ist sehr schmutzig und für uns Europäer daher äußerst unverträglich. Man kann zwar auf dem ganzen Trek Wasser in Flaschen kaufen, aber davon sollte man tunlichst die Finger lassen! Nepal hat ein ungeheures Müllproblem. Plastikflaschen landen dort grundsätzlich in der Natur und werden nicht recycelt. Es ist wirklich traurig, was man dort teilweise zu sehen bekommt. Man sollte also unbedingt seine eigene Trinkflasche mitbringen und das Leitungswasser filtern. Viele verwenden dafür Chlortabletten, aber mal abgesehen von dem abartigen Geschmack ist das ziemlich ungesund. Wir haben uns deswegen einen SteriPEN gekauft, der das Wasser mittels UV-Licht entkeimt. Das ist absolut sicher und geht ganz fix (Chlortabletten brauchen bis zu 2 Stunden). Bei uns hat es wirklich 1a funktioniert.

Das Land aus Eis und Feuer – Der Westen

Tag 16. Unser Urlaub neigte sich langsam dem Ende zu und es wurde Zeit, in Richtung Reykjavik aufzubrechen. Auf dem Weg dorthin wollten wir uns aber noch den Snæfellsnes-Nationalpark anschauen, der auf einer Halbinsel nordwestlich von Reykjavik liegt. Aus diesem Grund fuhren wir von Akureyri aus auf direktem Wege zu unserem Hotel in einem kleinen Kaff namens Bifröst, das zwar nicht besonders schön war, dafür aber ein guter Ausgangspunkt für einen Ausflug in den Nationalpark, den wir uns für den nächsten Tag vorgenommen hatten.

Ringstraße bei Akureyri
Ringstraße bei Akureyri

Und als ob uns Island einen krönenden Abschluss gönnen wollte, wurde das Wetter endlich so richtig schön. Und passend zum schönen Wetter gab es sogar noch einen großen Sonnensturm, der für eine äußerst hohe Aurora-Aktivität sorgen sollte. Genau für unsere letzten beiden Nächte war eine Aktivität der Stufe 6 auf einer Skala von 0-9 angekündigt. Bei Stufe 6 sind die Lichter so stark, dass man sie sogar bis Dänemark sehen kann. Unser Plan war also, die Nacht an einem besonders schönen und ruhigen Ort zu verbringen, um die Nordlichter bestmöglich genießen zu können. Am späten Nachmittag packten wir uns deswegen die Rucksäcke mit Essen voll und fuhren zu einem der schönsten Wasserfälle Islands, dem Hraunfossar. Das Besondere an diesem Wasserfall ist, dass er aus dem Nichts zu kommen scheint. Über eine Breite von ca. 700 m haben sich über hundert kleine Wasserfälle gebildet, doch einen dazugehörigen Fluss sieht man nicht. Das liegt daran, dass der Fluss etwa einen Kilometer von den Wasserfällen entfernt in einem alten Lavafeld versickert und von dort aus unterirdisch weiterfließt. Am Rande des Lavafeldes tritt das Wasser dann aus der Lava hervor und ergießt sich in einen anderen Fluss.

Hraunfossar
Hraunfossar

Wir erreichten den Hraunfossar pünktlich zum Sonnenuntergang, als das warme Licht der Sonne auf die vielen Wasserfälle und die dahinter stehenden Bäume in ihren Herbstfarben schien. Ich kniete gerade mit der Kamera auf dem Boden, um den Wasserfall zu fotografieren, da meinte Fab plötzlich zu mir: „Vorsicht, über dir wurde gerade ein Kamerastativ aufgebaut. Und das meine ich wörtlich!“. Und das war der Beginn eines äußerst unschönen Erlebnisses. Soeben war nämlich ein Bus angekommen, der zu einer Fototour gehörte. Und dieser hatte eine ganze Ladung amerikanischer Hobbyfotografen mitgebracht, die sich für die Größten hielten und keinerlei Respekt gegenüber den anderen Leuten dort hatten. Das zeigte sich zum Beispiel darin, dass tatsächlich über mir ein Stativ aufgebaut wurde (ich Depp bin auch noch zur Seite gekrochen statt einfach aufzustehen und das ganze Ding umzureißen) oder sich die gesamte Mannschaft am Wegrand nebeneinander so aufgestellt hat, dass außer ihnen keiner mehr die Wasserfälle sehen konnte. Auch auf Langzeitbelichtungen anderer Fotografen wurde null Rücksicht genommen und stattdessen auf der Aussichtsplattform so herum getrampelt, dass wahrscheinlich kein einziges Foto gelungen ist. Den Hraunfossar haben wir erst wieder zu Gesicht bekommen als das ganze schöne Sonnenlicht und mit ihm auch der Bus verschwunden war.

Als dann die Dämmerung eintrat, setzten wir uns zurück ins Auto und veranstalteten dort ein kleines Picknick, um uns die Zeit bis zur Finsternis zu vertreiben. Draußen war es dafür zu kalt, denn es wurde tatsächlich langsam Winter und die Temperaturen hatten bereits die 0 °C erreicht. Wir mussten gar nicht lange warten, da war es auch schon dunkel und die ersten grünen Schimmer machten sich am Himmel bemerkbar. Wir liefen zurück zu den Wasserfällen und warteten einige Minuten, aber mehr als den grünen Schimmer bekamen wir nicht zu sehen. Da es uns aber draußen zu kalt war, wollten wir lieber wieder im warmen Auto warten und so liefen wir wieder zurück. Wir waren schon fast am Parkplatz angekommen, da kam uns eine Traube von Leuten entgegen – allesamt mit schrecklich grellen Stirnlampen auf dem Kopf, die sie geradewegs auf unsere Gesichter richteten. Obwohl wir verzweifelt versuchten, das Licht mit hochgehaltenen Armen abzublocken, hatten die anderen kein sonderlich großes Mitleid mit uns und zielten weiterhin direkt auf unsere Augen. Nachdem sie dann an uns vorbeigelaufen waren – wir waren stehengeblieben, weil wir absolut nichts mehr sehen konnten – und die Sternchen vor unseren Augen so langsam verschwunden waren, stellten wir fest, dass diese Leute aus einem Bus kamen. Es war die gleiche Fotogruppe wie die beim Sonnenuntergang. Ohne groß zu überlegen stiegen wir ins Auto und fuhren davon. Das wollten wir uns nicht noch einmal antun.

Völlig planlos fuhren wir dann durch die Gegend, auf der Suche nach irgendeinem hübschen Fleckchen, aber leider ohne Erfolg. Und während wir da so fuhren, leuchtete plötzlich über uns der ganze Himmel in einem strahlenden Grün auf. Wir stellten den Renault hastig irgendwo am Straßenrand ab und stiegen aus. Und tatsächlich, die Nordlichter waren in dieser Nacht noch viel faszinierender als in Akureyri. Viel heller, viel größer und viel schneller. Und obwohl wir inzwischen Minusgrade hatten, war die Gänsehaut mit Sicherheit nicht nur den Temperaturen geschuldet. Lange standen wir dort mitten auf der Straße und konnten unseren Augen kaum trauen. Erst als die Lichter wieder zu einem schwachen Schimmer abflauten, stiegen wir wieder ins Auto. Aber auf dem Weg zum Hotel machten wir aller paar Minuten wieder Halt, weil der Himmel erneut zu leuchten begann.

Tag 17. Den Snæfellsnes-Nationalpark kann man über zwei Straßen erreichen. Eine asphaltierte Straße führt an der Südküste der Halbinsel entlang und die zweite Straße an der Nordküste. Die nördliche Straße ist nicht asphaltiert, aber dennoch hat uns die Dame an der Hotelrezeption empfohlen, wenigstens einmal dort entlang zu fahren. Nun ja, nicht jede Empfehlung ist Gold wert. Wir hatten uns entschieden, die Nordstraße auf dem Hinweg zu fahren und haben es ziemlich bereut. Die Straße, wenn man es denn so nennen mag, ist ein Grauen. Man kommt nur schwer voran und verliert einfach nur unglaublich viel Zeit. Die supertolle Aussicht, die man von dort aus auf die Küste und die vielen vorgelagerten Inseln haben soll, ist gerade mal so lala. Jedenfalls im Vergleich zu dem, was man sonst so in Island sehen kann. Immerhin eignen sich die hübschen kleinen Dörfer am Ende der Straße gut für eine kurze Verschnaufpause, die wir dann auch irgendwie nötig hatten. Nachdem wir dann einige Minuten in einem der Orte gehalten und uns noch einen kleinen, unspektakulären Wasserfall angeschaut hatten, folgten wir einem weiteren grandiosen Ratschlag unserer Hoteldame. Dieses Mal führte uns der Weg zu einem Leuchtturm an der Küste, von dem aus man häufig tolle Tiere sehen kann, wie beispielsweise Wale, Polarfüchse und Puffins (Papageitaucher). Ich bin mir nicht sicher, ob die Isländer ihre Straßen anders wahrnehmen als wir Ausländer. Vielleicht sind ihnen aber auch einfach nur ihre Autos egal. Auf jeden Fall würde ich dieses Desaster, das die dort allen Ernstes „Straße“ genannt haben, selbst mit einem Geländewagen nicht noch einmal fahren. Für die 5 km von der Hauptstraße zum Leuchtturm haben wir gefühlt Stunden gebraucht und jede Sekunde davon dachten wir, dass der Renault wahrscheinlich jeden Moment zusammenbricht. Die Straße führt durch ein Lavafeld, aber ist nicht etwa irgendwie begradigt oder so – nö, man fährt ununterbrochen über teilweise echt große Lavabrocken. Die Hinterräder des Renaults hat es uns permanent weggezogen und mehr als 20 km/h waren sowieso schonmal gar nicht drin. Eigentlich wären wir sofort umgedreht, nur leider gab es nirgendwo die Möglichkeit zu wenden und so waren wir gezwungen, das Ganze bis zum Schluss durchzuziehen. Zugegebenermaßen ist der knallig orangene Leuchtturm an den steilen Klippen und mit dem Vulkan Snæfellsjökull im Hintergrund wirklich richtig schön, aber die Fahrt dort hin kann man sich echt sparen. Irgendwelche besonderen Tiere haben wir übrigens nicht gesehen.

Leuchtturm Svörtuloft
Leuchtturm Svörtuloft

Etwas weiter die Hauptstraße entlang kommt man zu einer Abzweigung, über die man zum schwarzen Strand Djúpalónssandur gelangt. Vom Parkplatz aus führt ein kurzer Weg durch eine Schlucht mit hohem Lavagestein hinunter zum Strand, vorbei an den im Sand verteilten Überresten eines Schiffwracks aus dem Jahre 1948 und vier Kraftprobensteinen mit einem Gewicht von 23 bis 154 kg. An diesen Steinen mussten Fischer früher ihre Stärke beweisen, wenn sie sich für eines der Fischerboote beworben haben. Heute dienen sie dem Vergnügen der Besucher.

Djúpalónssandur
Djúpalónssandur

Später am Nachmittag machten wir noch einen Abstecher zu einer engen Schlucht in einem der Berge. Man erzählte uns, dass man dem Bächlein, das aus der Bergöffnung herausgeflossen kommt, bis tief in die Schlucht folgen und dort am Ende einen Wasserfall finden kann. Das Problem dabei ist nur, dass man zum Einen schon nur durch den Bach in die Schlucht hineinkommt und man zum Anderen auch drinnen weiter durch den Bach stapfen muss, der allerdings in Kaskaden fließt, die man über rutschige Steine hochklettern muss. Man sollte hier also auf jeden Fall wasserfeste Kleidung tragen und bestenfalls eine Stirnlampe dabei haben. Wir wollten nicht bis zum Ende gehen, sind aber zumindest in die Schlucht hineingegangen. Fab hat sich daran versucht, noch etwas weiter zu laufen, ist dann aber an der ersten Kaskade wieder umgekehrt.

Raudfeldar Canyon
Raudfeldar Canyon

Danach wollte auch ich weiter in die Schlucht hinein und habe mich auf den Weg zur ersten Kaskade gemacht. Dabei bin ich stets über die Steine im Bach balanciert, um trocken zu bleiben. Als ich dann nach unten blickte, um nach guten Steinen zu schauen, zog ein am Rande liegender, weißer Stein im Wasser meinen Blick auf sich. Ich wollte gerade meinen Fuß darauf setzen, da bemerkte ich plötzlich, dass dieser „Stein“ einen Schädel hatte und in Wirklichkeit ein Skelett von einem Tier war, das wie ein kleiner Hund aussah und wahrscheinlich ein Polarfuchs war. Die Haare in meinem Nacken sträubten sich und ich drehte schnell wieder um. Wir verließen die Schlucht und nahmen unser letztes Ziel im Nationalpark in Angriff: die schwarze Kirche in Búðir.

Schwarze Kirche in Búðir
Schwarze Kirche in Búðir

Die Kirche in Búðir gehört wahrscheinlich zu den am meisten fotografierten Kirchen in Island. Aber warum auch nicht – welche schwarze Kirche hat schon auf der einen Seite die Küste und auf der anderen Seite einen Vulkan im Hintergrund? Und dann hatten wir auch noch so tolles Wetter, dass die untergehende Sonne den Snæfellsjökull und die umliegenden Bergspitzen feuerrot aufleuchten ließ. Selbst auf dem Weg zurück zum Hotel konnten wir die ganze Zeit noch den wunderschönen Sonnenuntergang hinter dem Vulkan beobachten.

In unserer letzten Nacht in Island wollten wir die Nordlichter natürlich noch ein letztes Mal so richtig genießen. Dafür suchten wir uns dieses Mal einen ganz besonderen Ort heraus, an dem wir ganz sicher allein sein würden. In der Nacht stiegen wir auf einen Vulkan in der Nähe unseres Hotels. Das gestaltete sich sogar überraschend einfach, denn was wir vorher überhaupt nicht wussten war, dass es hier tatsächlich stellenweise Treppen gab. Und noch viel besser, oben gab es auch noch Bänke. Perfekt, um sich einfach auf den Rücken zu legen und in den Himmel zu starren, um das wohl schönste Naturschauspiel zu beobachten, das wir bisher gesehen haben.

Nordlichter über dem Krater Grábrók
Nordlichter über dem Krater Grábrók

Tag 18. Da unser Flug erst um 1.00 Uhr nachts ging und wir den Renault bis 22.00 Uhr gemietet hatten, hatten wir noch den ganzen letzten Tag Zeit, um gemütlich nach Reykjavik zu fahren, dort Kaffee zu trinken, Essen zu gehen und etwas durch die Straßen zu schlendern. Wir investierten unsere letzten isländischen Kronen in Mitbringsel (was bei uns meist Kaffeebohnen und Süßigkeiten sind) und ließen die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren. Völlig erschöpft stiegen wir am Abend in das Flugzeug, traurig und glücklich zugleich. Und während um uns herum alle anderen sofort einschliefen, zeigte sich uns die Aurora Borealis noch einmal zum Abschied.

Tini

Das Land aus Eis und Feuer – Von den Ostfjorden bis zum Norden

Inzwischen hatten wir uns ganz gut in Island eingelebt. Fab hat sich langsam an den Renault gewöhnt, ich kam von Tag zu Tag besser mit der isländischen Sprache zurecht und ich hatte mich sogar schon damit angefreundet, dass der Belag auf meinen Frühstücksbrötchen nur aus Gurke und Tomate bestand. Eigentlich hätten wir uns in Island so richtig pudelwohl gefühlt – wäre da nicht dieses blöde Wetter gewesen. In Island gibt es ein bekanntes Sprichwort, das besagt: „Wenn du das Wetter hier nicht magst, dann warte einfach fünf Minuten“. Normalerweise ist das Wetter nämlich so wechselhaft, dass man innerhalb weniger Stunden von Sonne über Regen bis hin zu Schneestürmen wirklich alles erleben kann. Doch wir haben gewartet – Minuten, Stunden, Tage, inzwischen sogar schon über eine Woche – und das Wetter hat sich nicht geändert. Jeden Tag stapften wir stundenlang durch Regen und Windböen. Und das Schlimmste daran war, dass im ganzen Land schönstes Wetter und strahlender Sonnenschein herrschte – außer eben dort, wo wir immer gerade waren. Dementsprechend gab es auch in den Nächten kaum Hoffnung auf einen klaren Himmel mit Nordlichtern. Klar, wir hatten ja schon Nordlichter gesehen, aber von diesem Phänomen kann man halt einfach nicht genug haben – zumal die Nordlichter bisher eben auch noch nicht so stark waren wie erhofft. Unser Frust stieg mit jedem Tag und gleichzeitig sank die Lust, uns lange draußen aufzuhalten. Aber was nützte es, wir hatten von diesem Land so lange geträumt und eigentlich war es ja selbst bei diesem schlechten Wetter noch unglaublich faszinierend.

Tag 10. Und so beschlossen wir, die Zeit in den Ostfjorden doch nicht einfach nur im Bett zu verbringen, sondern die wundervolle Gegend etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Unser erster Anlaufpunkt war deswegen die Stadt Egilsstaðir, die mit ihren knapp 2.300 Einwohnern die größte Stadt im Osten Islands ist. Dort informierten wir uns nach einem gemütlichen Kaffee in der Touristeninformation über schöne Ziele in der Region. Schon länger auf unserer Liste stand Seyðisfjörður und deswegen ging es dort auch gleich als nächstes hin. Seyðisfjörður ist ein Fjord, den man von Egilsstaðir aus über einen Bergpass erreicht. Der gleichnamige Ort im Fjord ist berühmt für seine wunderschönen Holzhäuser und den großen Hafen, an dem Kreuzfahrtschiffe und Fähren von Dänemark anlegen. In dem Städtchen gibt es außerdem eine kleine himmelblaue Kirche, zu der ein langer, mit Regenbogenfarben bemalter Weg führt. Am anderen Ende dieses Weges findet man gemütliche Cafés und Hostels. Ein friedliches Städtchen wie aus dem Bilderbuch.

Seyðisfjörður
Seyðisfjörður

Auf dem Bergpass zwischen Seyðisfjörður und Egilsstaðir führt eine kleine, unscheinbare Schotterpiste von der Hauptstraße aus zu einem Aussichtspunkt auf einer Klippe, von dem aus man eine atemberaubende Aussicht über den ganzen Fjord haben soll. Dummerweise hing dort sowohl auf der Hin- wie auch auf der Rückfahrt eine so dicke Wolkenwand, dass wir kaum die Straße vor uns sehen konnten und den Weg zum Aussichtpunkt schlichtweg nicht gefunden haben. Aber letztendlich wäre die Sicht dort ja auch nicht besser gewesen als auf der Straße.

Am Abend wollten wir uns nach einem kleinen Päuschen im Hotel auf die Suche nach einer Kleinigkeit zum Essen machen. Doch draußen herrschte ein so starker Sturm, dass es kaum möglich war, sich lange auf der Straße aufzuhalten. Wir sprinteten schnell die wenigen Meter hinüber zum hoteleigenen Restaurant nebenan, doch schon die wenigen ungeschützten Sekunden reichten vollkommen aus, um unsere Kleidung klatschnass werden zu lassen. Der Wind um uns peitschte so stark, dass selbst die Fahnenstangen vor dem Hotel bedrohlich ins Wanken gerieten und laut quietschten. Selbst in der Nacht wachten wir immer wieder auf, weil der Wind draußen so laut war und ständig die Fenster gegen den Fensterrahmen krachten. Die Sturmwarnung, von der wir noch in Höfn gelesen hatten, war also durchaus berechtigt gewesen…

Tag 11. Etwa eine Stunde von Egilsstaðir entfernt gibt es den Canyon Dimmugljúfur, der eine tolle Wandermöglichkeit bietet. Seitdem im Jahr 2008 vor dem Canyon ein Damm gebaut wurde, um das dort entlang fließende Gletscherwasser des Vatnajökulls in einem großen See aufzufangen, kann man elf Monate im Jahr kilometerlang durch den Canyon wandern. Entlang des Flussbettes gibt es gigantische Steinformationen, Höhlen und zahlreiche Wasserfälle zu sehen. Im zwölften Monat übersteigt der Wasserzulauf die Kapazitäten des Sees und der Canyon wird geflutet. Dies passiert üblicherweise im September, also genau während unserer Reise. Der Canyon war dadurch natürlich nicht begehbar, aber es war trotzdem interessant, den überlaufenden Damm zu sehen.

Staudamm am Canyon Dimmugljúfur
Staudamm am Canyon Dimmugljúfur

Etwa fünf Kilometer vom Damm entfernt gibt es außerdem einen Aussichtspunkt, von dem aus man wenigstens in die Schlucht hinunterschauen kann. Und genau dieser Aussichtspunkt war unser Ziel. Da die Straße nur bis zum Damm asphaltiert ist und von dort aus nur mit Geländewagen befahren werden kann, mussten wir den Renault stehen lassen und die fünf Kilometer zu Fuß zurücklegen. Kein Problem, dachten wir uns, 10 km sind für uns doch gar nichts. Falsch gedacht. Die ganze Strecke war so monoton und öde, dass das Laufen schon nach 10 Minuten unfassbar langweilig wurde. Es gab nicht das kleinste Bisschen Abwechslung unterwegs, sondern weit und breit nur Steinwüste. Zwar war trotz der letzten Nacht das Wetter einigermaßen gut, aber Aussicht hatte man dort auch so keine. Selbst der Canyon war von der Straße aus nicht zu sehen. Uns verging schnell die Lust und nach etwa 30 Minuten beschlossen wir, nur noch bis zu einem Hügel zu laufen, der sich in einiger Entfernung vor uns erhob. Sollte der Aussichtspunkt von dort oben immer noch nicht in Reichweit sein, würden wir einfach wieder umdrehen.

Staudamm am Canyon Dimmugljúfur
Staudamm am Canyon Dimmugljúfur

Es schien ewig zu dauern, bis wir die Spitze des Hügels endlich erreicht hatten. Und tatsächlich, von dort konnten wir den Pfad erkennen, der einige weitere Minuten entfernt von uns von der Straße in Richtung Canyon führte. Nur hatten wir einfach überhaupt keine Lust noch weiter zu laufen. Einen kurzen Moment lang waren wir versucht, einfach querfeldein über das Meer aus Steinen zu laufen und die ganze Sache abzukürzen. Aber wie schon gesagt stößt so etwas bei den Isländern nicht sonderlich auf Begeisterung und deswegen haben wir es dann doch sein lassen. Aber statt noch die letzten Minuten bis zum Pfad zu laufen, machten wir schließlich kehrt und liefen zurück zum Auto. Auf dem Rückweg änderte sich dann schlagartig das Wetter. Innerhalb weniger Sekunden zog der Himmel vollständig mit dicken Wolken zu. Regen ergoss sich über uns und schnell waren wir wieder nass. Durch meine Brille konnte ich kaum noch etwas sehen, weil sie so nass und beschlagen war. Zusätzlich peitschte uns Wind ins Gesicht, teilweise so stark, dass wir kaum noch atmen konnten. Die kalte Luft zog in die Kapuze auf meinem Kopf und breitete sich in meinem Nacken aus. Die Kälte stach wie tausend Nadeln und ich war mir sicher, dass ich am nächsten Tag krank sein würde. Im Auto angekommen brauchten wir erst einmal einige Minuten, um uns wieder aufzuwärmen. Dann fuhren wir zurück nach Egilsstaðir. Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, unterwegs noch weitere kleine Runden zu laufen, unter anderem zu hübschen Wasserfällen. Einen kleinen Versuch wagten wir auch, aber der Boden war schon so aufgeweicht, dass wir sofort im Schlamm versanken und für diesen Tag endgültig das Handtuch warfen.

Tag 12. Heute war der erste schöne Tag in den Fjorden. Im Laufe des Vormittags klarte der Himmel immer mehr auf und irgendwann hatten wir sogar richtig sonniges Wetter. Perfekt also, um auf einen der Berge im Fjord zu steigen und die tolle Aussicht zu genießen. Allerdings war uns nach den letzten Tagen nicht so nach stundenlangem Wandern und so einigten wir uns auf eine dreistündige Tour. Es war gar nicht so leicht, eine passende Strecke zu finden, denn der junge Herr an der Rezeption kannte sich diesbezüglich überhaupt nicht in der Umgebung aus und auch sonst fanden wir kaum Informationen zu Wanderstrecken. Nach einigem Rumgegoogle hatten wir uns dann für einen Weg entschieden, der auf den Berg zwischen unserem und dem Nachbarfjord führte. Also schnappten wir unsere Sachen und fuhren ins Nachbarfjord zum Startpunkt des Wanderwegs. Nur war dort dummerweise kein Wanderweg. An der Stelle, die uns die Karte anzeigte, gab es noch nicht einmal die kleinste Parkgelegenheit, geschweige denn irgendeinen Pfad. Das Einzige, was wir dort in der Nähe fanden, war eine Art private Einfahrt oder Feldweg, der den ganzen Berg hinaufzuführen schien und scheinbar schon seit längerer Zeit nicht mehr benutzt wurde. Da der Weg nicht abgezäunt war, stellten wir den Renault einfach am Straßenrand ab und stapften dort entlang. Unterwegs begegneten wir ein paar freilebenden Schafen, aber sonst schien der Weg tatsächlich relativ verlassen. Als wir oben ankamen, hatten wir zu beiden Seiten des Berges eine gute Aussicht über die zwei Fjorde. Nachdem wir einige Minuten dort gesessen und die Stille genossen hatten, wurden wir von leichten Wolken umhüllt und die Sicht wurde schnell schlechter. Da es auch nicht so schien, als würde es bald wieder aufklaren, stiegen wir den Berg wieder hinab. Danach gönnten wir uns nur noch ein leckeres Abendessen und einen entspannten Filmeabend im Hotel.

Reyðarfjörður
Reyðarfjörður

Tag 13. Die Tage in den Fjorden waren schon wieder an uns vorbeigezogen. Nun stand eine recht lange Fahrt nach Norden an. Unser heutiges Ziel war nämlich Akureyri, die Hauptstadt des Nordens. Mit knapp über 18.000 Einwohnern ist Akureyri nach Reykjavik und seinen Vororten die größte Stadt Islands. In der Umgebung der hübschen Stadt gibt es unglaublich viel zu sehen und deswegen hatten wir uns auch hier mehrere Nächte einquartiert. Auf der Fahrt nach Akureyri machten wir nur drei Stopps. Der Erste war in Egilsstaðir zum Kaffee trinken. Der Zweite irgendwo an der Ringstraße, als wir am Straßenrand einen wunderschönen Wasserfall entdeckten. Das war nämlich der Vorteil an dem schlechten Wetter in den letzten Tagen – es gab einfach Hunderte von Wasserfällen!

Den dritten Stopp legten wir am Wasserfall Dettifoss ein, der mit seiner Höhe von 45 Metern ziemlich beeindruckend ist. An der Ringstraße kann man zwischen zwei Straßen zum Dettifoss wählen. Auf der Westseite des Flusses führt eine asphaltierte Straße die 24 km bis zum Wasserfall. Auf der Ostseite gibt es eine 28 km lange Schotterpiste, die auch für Kleinwagen zugänglich ist. Vor Ort gibt es keine Brücke, über die man die Seiten wechseln kann, sodass man sich tatsächlich schon auf der Ringstraße entscheiden muss, von welcher Seite aus man den Wasserfall sehen möchte. Die schönere Seite ist definitiv die Ostseite, auch wenn der Weg dorthin auf der Schotterpiste mit einem kleinen Auto wirklich keinen Spaß macht. Aber mal abgesehen davon, dass dementsprechend auf dieser Seite auch keine Touristenbusse zu finden sind, ist der Anblick den Mehraufwand allemal wert. Man kann hier viel näher an den Wasserfall heran laufen und wegen des besseren Winkels sieht man auch mehr vom Wasserfall und dem Fluss.

Dettifoss
Dettifoss (ja, das oben an der Kante ist ein Mensch)

Hinzu kommt noch, dass man von hier aus den Fluss weiter stromaufwärts laufen kann und nach einigen Minuten zum Selfoss kommt, einem weiteren sehenswerten Wasserfall. Zwar kann man auch auf der Westseite bis zum Selfoss laufen, dort soll der Weg aber anstrengender sein und auch da ist die Sicht nicht so toll wie die von Osten.

Selfoss
Selfoss

Da wir an Wasserfällen wirklich Stunden verbringen können, wurde es inzwischen schon wieder spät und dunkel. Und weil wir doch noch so einige Kilometer vor uns hatten, war es für uns schließlich an der Zeit, zum Hotel zu fahren.

Tag 14. Heute stand mal wieder ein etwas aktiverer Tag an. Etwa eine Stunde östlich von Akureyri liegt nämlich die schöne Mývatn-Region, die wir uns unbedingt anschauen wollten. Auf gut halber Strecke dorthin haben wir aber erst einmal einen Abstecher zum Goðafoss-Wasserfall gemacht, der zwar nicht sehr hoch, aber dafür unglaublich schön ist. Und dann ging es auch direkt weiter zum vulkanisch hochaktiven Gebiet rund um den Mývatn-See.

Goðafoss
Goðafoss

Ihre hohe vulkanische Aktivität verdankt die Mývatn-Region einem großen Vulkansystem mit dem Namen Krafla. In den Jahren von 1975 bis 1984 gab es dort eine ganze Serie von Vulkanausbrüchen, genannt die Krafla-Feuer. Wenn ich mich recht erinnere, gab es in diesen neun Jahren insgesamt 17 Vulkanausbrüche, sodass am Horizont eigentlich ununterbrochen eine rote Fontäne zu sehen war. Wenn man heute durch die damals frisch entstandenen Lavafelder läuft, sieht man es immernoch überall dampfen. Selbst blubbernde Schlammlöcher findet man dort noch. Vor ein paar Jahren wurde außerdem an der Krafla ein Kraftwerk gebaut, das es den Isländern ermöglicht, ihre Wohnungen mit purer Erdwärme zu beheizen und Strom aus erneuerbaren Energien zu gewinnen.

Kraftwerk im Krafla-Gebiet
Kraftwerk im Krafla-Gebiet

Inzwischen scheint es mir ja fast überflüssig es zu erwähnen, aber als wir dort waren, hat es so stark geregnet, dass wir erstens so gut wie nichts sehen konnten und zweitens ziemlich schnell durchnässt waren. Den Rundgang durch die Lavafelder haben wir deswegen recht schnell abgebrochen.

Glücklicherweise schienen die Regenwolken über dem Vulkankrater festzuhängen, sodass es zumindest wieder trocken wurde als wir wenige Kilometer weiter im Hochtemperaturgebiet Hverarönd ankamen. In diesem Gebiet steht der Vulkan Námafjall, der ebenfalls zum Vulkansystem der Krafla gehört. Von der Spitze des Vulkans hat man wohl eine richtig tolle Aussicht über die ganze Region, aber aufgrund der Wetterbedingungen war der ohnehin schon ziemlich steile Weg nach oben auch noch matschig und rutschig, weswegen wir auch hier letztendlich wieder umgedreht sind. Umsonst war die Fahrt dorthin aber trotzdem nicht, denn am Fuß des Berges gibt es einige brodelnde Schlammbecken und dampfende Fumarolen, die immer wieder interessant sind.

Fumarolen in Hverarönd
Fumarolen in Hverarönd
Hverarönd
Hverarönd

Was wir ursprünglich überhaupt nicht auf dem Schirm hatten, war der Vulkan Hverfjall. Das erste Mal von ihm erfahren haben wir auch erst durch ein großes Bild an einer Touristeninformation in Mývatn. Obwohl das Bild durchaus unser Interesse geweckt hatte, haben wir den Vulkan trotzdem nicht in unser Tagesprogramm aufgenommen, weil in der Beschreibung daneben etwas von 1,5 Stunden Aufstieg stand und die Zeit inzwischen recht gut vorangeschritten war. Erst als wir an dem pechschwarzen Vulkan vorbeifuhren, konnten wir einfach nicht anders als zum Parkplatz zu fahren und uns den Berg genauer anzuschauen. Am Fuß des Vulkans angekommen, betrachteten wir einige Minuten den steilen Weg am Berghang und fragten uns, wieso um alles in der Welt es 90 Minuten dauern sollte, dort hinauf zu laufen. Der Vulkan war keine 500 Meter hoch. Das kann doch nicht länger als eine halbe Stunde dauern, dachten wir uns. Also haben wir uns kurzerhand entschlossen, es einfach zu versuchen. Wir haben uns maßlos verschätzt. Es hat 7 Minuten gedauert. Wobei man dazu auch sagen muss, dass wir uns extra beeilt haben und oben ganz schön außer Atem waren. Aber es hat sich gelohnt. Der Anblick des vollkommen schwarzen Vulkankraters war klasse, genauso wie die Aussicht auf den Mývatn-See vor der untergehenden Sonne und die Vulkanlandschaft auf der anderen Seite des Berges.

Krater des Hverfjall
Krater des Hverfjall
Aussicht vom Hverfjall auf den Mývatn-See
Aussicht vom Hverfjall auf den Mývatn-See

Ein Weg führt komplett um den Krater herum, aber wir haben uns mit einem Teil davon zufrieden gegeben und sind dann wieder gegangen. Die Uhr tickte, denn wegen der dicken Wolkendecke war es schon recht dunkel und ein Ziel hatten wir noch: das Lavafeld Dimmuborgir. Das Besondere an Dimmuborgir sind die ungewöhnlichen Formationen des Lavagesteins, die sich durch die Art der Entstehung des Lavafelds erklären lassen. Ursprünglich war an dem Ort nämlich mal ein großer Sumpf, über dem sich Lava gesammelt hat. Durch die heiße Lava trat dann Wasserdampf aus und an den Austrittsstellen türmte sich die Lava auf. Irgendwann brach dann die erkaltete Lavakruste zusammen und so entstand Dimmuborgir. Das skurrile Lavafeld kann man nun auf einem von zahlreichen Wanderwegen von kurz bis lang ausgiebig erkunden.

Dimmuborgir
Dimmuborgir

Inzwischen war die Dämmerung so weit vorangeschritten, dass wir nur den kleinsten Rundweg wählten, auf dem wir etwa 30 Minuten unterwegs waren (die Hälfte der Zeit waren wir allerdings mit Fotografieren beschäftigt). Dann fuhren wir zurück nach Akureyri, um unsere knurrenden Mägen zu besänftigen. Als wir später durch die schönen Straßen in Akureyri liefen, machten zwei ältere Damen vor uns plötzlich Halt und zeigten – völlig aus dem Häuschen – in den Himmel. Absolut unerwartet waren über uns auf einmal die Wolken aufgerissen und offenbarten tanzende Nordlichter. Gemeinsam mit den Omis standen wir einige Zeit da und starrten einfach nur in den Himmel. Dann meldeten sich unsere Mägen wieder und wir mussten uns von den Lichtern lösen. Im Restaurant schaltete Fab dann das WLAN an seinem Handy ein und prompt meldete sich seine Aurora-App mit der Nachricht, dass es in der Nacht sehr aktive Nordlichter geben würde. Obwohl wir bereits todmüde waren, gingen wir nach dem Essen schnell ins Hotel, um die Rucksäcke mit Wasser und Snacks aufzufüllen – und fuhren aus der Stadt, weg von den hellen, störenden Straßenlaternen. Irgendwo am Feldrand stiegen wir wieder aus dem Auto und genossen gefühlt stundenlang die Lichtershow über unseren Köpfen. DAS waren die Polarlichter, die wir in der Nacht in Höfn vermisst hatten – DAS waren die Polarlichter, von denen wir immer geträumt hatten.

Polarlichter
Polarlichter
Polarlichter
Polarlichter

Tag 15. Als nächstes wollten wir uns Akureyri ein wenig näher anschauen. Wir hatten uns das für diesen Tag aufgehoben, weil die Wettervorhersage für die Nacht einen absolut wolkenfreien Himmel versprach und wir uns deshalb am Nachmittag nochmal auf’s Ohr hauen wollten. Allerdings hatten wir ja in der letzten Nacht nur wenig Schlaf bekommen und so waren wir viel zu träge, um stundenlang durch die Stadt zu laufen. Wir beschränkten uns deshalb auf das Stadtzentrum, das im Wesentlichen nur aus zwei kleinen Straßen besteht. Und letztendlich hangelten wir uns eigentlich auch dort nur vom Frühstück in einer Bäckerei zu einem Café mit dem Namen Berlin, in dem es sehr leckeren Cappuccino mit Mandelmilch gibt. Danach gingen wir noch kurz shoppen und das war’s dann auch schon mit unserer geplanten Städteerkundungstour. Im Prinzip kann man bei 18.000 Einwohnern ja auch nicht viel Spiel, Spaß und Spannung erwarten. Es ist einfach der gemütliche Flair, der die Stadt ausmacht. Die Lage zwischen den Bergen im Fjord, der Hafen, die schönen Cafés und Restaurants – all das kann man nicht „besichtigen“, man kann es nur genießen.

Einigermaßen ausgeruht fuhren wir dann am Abend wieder aus der Stadt. Dieses Mal wollten wir nicht einfach irgendwo am Straßenrand halten. Wir waren auf der Suche nach einem schönen Motiv im Vordergrund, denn wir wollten ja schließlich auch tolle Fotos von den Nordlichtern haben und dafür braucht man mehr als nur einen Himmel. So richtig fündig wurden wir irgendwie nicht, aber das war auch egal, denn entgegen aller Vorhersagen war der Himmel keineswegs sternenklar. Im Gegenteil, wir haben nicht ein Stück wolkenfreien Himmel gefunden. Was für ein Glück, dass wir am Abend zuvor die Nordlichter in voller Pracht genießen konnten. Aber es kam noch besser: Die Aurora-Vorhersage versprach einen großen Sonnensturm für die nächsten Tage, der für eine extreme Nordlicht-Aktivität sorgen sollte.

Tini

Das Land aus Eis und Feuer – Der Süden: Teil II

Tag 6. Nach den beiden anstrengenden Tagen in Þórsmörk und Landmannalaugar brachen wir wieder auf, um weiter entlang der Südküste bis zum Skaftafell Nationalpark zu fahren. Natürlich nicht, ohne dabei jede Menge Zwischenstopps einzulegen. Unser erster Halt war gar nicht weit weg von Hvolsvöllur, nämlich bei einem kleinen Wasserfall mit dem tollen Namen Gluggafoss. Um zum Wasserfall zu gelangen, läuft man zunächst an kleineren Kaskaden vorbei in eine Schlucht. Dort kann man wunderbar sehen, wie das Wasser einen Tunnel in den Fels gegraben und dabei einen schönen Bogen geformt hat, durch den nun das Wasser fließt.

Gluggafoss
Gluggafoss

Danach haben wir noch einmal am Seljalandsfoss gehalten, um nebenan in die Höhle mit dem Wasserfall zu steigen, weil wir dort unbedingt noch Fotos machen wollten. Anschließend haben wir auch noch einmal beim Skógafoss gehalten, denn wie wir inzwischen erfahren hatten, gibt es auch dort nebenan noch einen tollen Wasserfall. Er heißt Kvernufoss und wie beim Seljalandsfoss kann man auch hinter diesen Wasserfall laufen. Aus irgendeinem Grund ist er aber trotz seiner Nähe zum großen Skógafoss scheinbar unbekannt. Wahrscheinlich weil man erst noch ein paar Minuten einen Pfad entlang laufen muss, bis man schließlich in eine Schlucht kommt, an deren Ende man den Kvernufoss findet. Jedenfalls waren außer uns noch genau zwei Paare da als wir ankamen und die waren auch ziemlich schnell wieder weg, sodass wir eigentlich die ganze Zeit alleine waren, obwohl wir dort recht viel Zeit verbracht hatten.

Kvernufoss
Kvernufoss
Kvernufoss
Kvernufoss

Nicht weit vom Skógafoss entfernt führt eine Straße zum Sólheimajökull, einer Gletscherzunge des großen Mýrdalsjökull. Über einen kurzen Weg kann man vom Parkplatz aus bis an die Gletscherzunge heran laufen.

Sólheimajökull
Sólheimajökull

Leider hat es dort so stark geregnet, dass ich bald bis auf die Haut durchnässt war. Aus irgendeinem Grund hatte ich mir an diesem Tag gedacht, ich käme auch ohne Wanderhose und Thermounterwäsche aus, weil wir ja sowieso die meiste Zeit im Auto sitzen würden. Tja, da lag ich falsch. Kaum am Gletscher angekommen, sind wir also auch schon wieder umgekehrt und zurück zum Auto geeilt. Ich glaube, ich war in meinem ganzen Leben noch nie so dankbar für die Erfindung der Sitzheizung. Trotzdem war meine Hose immer noch nass und kalt, als wir etwa 30 Minuten später unseren nächsten Halt bei der Klippe von Dyrhólaey machten. Fab musste deswegen erst einmal meine Wanderhose aus dem Koffer wühlen, damit ich mich noch schnell im Auto umziehen und wieder in die Kälte wagen konnte. Gegen unsere wetterbedingte Lustlosigkeit kämpfend liefen wir dann zum Aussichtspunkt auf der Klippe, von dem aus man normalerweise einen richtig tollen Ausblick über die Küste und die Gletscher hat. Unsere Aussicht beschränkte sich allerdings mehr oder weniger auf eine dicke Wolkenwand. Immerhin hingen die Wolken hoch genug, dass wir am Fuß der Klippe noch den schwarzen Strand Reynisfjara und die schwarzen Felsnadeln sehen konnten, die am anderen Ende des Strandes aus dem Meer ragen.

Blick auf den Reynisfjara Strand von Dyrhólaey
Blick auf den Reynisfjara Strand von Dyrhólaey
Klippe von Dyrhólaey
Klippe von Dyrhólaey

Noch während wir auf der Klippe standen und das bisschen Aussicht genossen, das wir kriegen konnten, lockerte ganz langsam der Himmel etwas auf. Und als wir dann kurze Zeit später am anderen Ende des schwarzen Strandes standen, konnten wir in der Ferne sogar die Silhouette von Dyrhólaey in der langsam untergehenden Sonne sehen.

Der schwarze Strand von Reynisfjara ist äußerst gefährlich. Hohe Wellen kommen oft unerwartet und können einen schnell ins Meer ziehen, aus dem es wegen der extrem starken Strömung kaum ein Entkommen gibt.
Der schwarze Strand von Reynisfjara ist äußerst gefährlich. Hohe Wellen kommen oft unerwartet und können einen schnell ins Meer ziehen, aus dem es wegen der extrem starken Strömung kaum ein Entkommen gibt.

Auf der weiteren Fahrt Richtung Osten brachen die Wolken dann immer mehr auf. Irgendwann hielt Fab plötzlich am Straßenrand, packte die Kamera und sprang aus dem Auto. Erst als er wieder zurück ins Auto kam und mir mit den Worten „Ich versteh gar nicht, warum du nicht fotografieren willst“ zufrieden seine soeben geknipsten Bilder zeigte, verstand ich warum. Für mich völlig im toten Winkel verborgen ereignete sich ein atemberaubender Sonnenuntergang. Sofort schnappte ich mir die Kamera und stieg aus dem Wagen. Immer wieder hielten wir dann auf der Fahrt an, um Fotos von dem sich stets verändernden Licht hinter dem großen Gletscher Mýrdalsjökull zu machen, den wir selbst nach den vielen Kilometern auf der Ringstraße noch immer nicht hinter uns gelassen hatten.

Mýrdalsjökull
Mýrdalsjökull
Mýrdalsjökull
Mýrdalsjökull

Nach dem Sonnenuntergang war es dann natürlich auch zu dunkel, um noch weitere Zwischenstopps einzulegen. Einen Versuch wagten wir noch in der Dämmerung, weil wir uns gerne noch die beliebte Schlucht Fjaðrágljúfur anschauen wollten, die nahe der Ringstraße liegt. Doch obwohl die Straße dorthin eigentlich auch ohne Geländewagen befahrbar sein soll, sind wir mit unserem Renault nicht sehr weit gekommen. Also beschlossen wir, uns nun endgültig auf den Weg zu unserem Hotel zu machen und einen weiteren Tag hinter uns zu lassen. Kurz vor der Ankunft – es war bereits stockdunkle Nacht – wurde ich kurz stutzig, als ich mitten in der Pampa am Straßenrand die Umrisse zweier junger Menschen mit großen Trekking-Rucksäcken erkannte, die sich dann auch gleich zu uns umdrehten und ihre Finger rausstreckten, weil sie mitgenommen werden wollten. Etwas verwirrt sammelten wir die beiden ein und nahmen sie die letzten Kilometer mit in das Dorf, in dem sich unser Hotel befand. Die beiden deutschen Studenten waren echt nett und hatten ihre Semesterferien genutzt, um mit dem Zelt durch Island zu trampen. Nach einem angeregten Gespräch mit den beiden hier ein gut gemeinter Rat an alle, die über eine ähnliche Aktion nachdenken: Wenn ihr im Winter – und sei es auch nur am Rande der Wintersaison – in Skandinavien zelten wollt, dann investiert bitte mehr als 20 Euro in einen Schlafsack, egal wie sehr ihr sparen müsst…

Tag 7. Als wir am Morgen aus unserem Cottage kamen, lachte uns die Sonne mit einem strahlend blauen Himmel an. Natürlich wollten wir bei diesem schönen Wetter keine Zeit verlieren und so packten wir nach einem ausgiebigen Frühstück schnell unsere Sachen zusammen, um zum Skaftafell Nationalpark zu fahren. Dieser ist ein Teil des Vatnajökull-Nationalparks, der den größten Gletscher Europas beherbergt. Der Vatnajökull ist wirklich nicht zu vergleichen mit den Gletschern, die wir bisher gesehen haben. Er ist unfassbare 8.100 km² groß, das entspricht einer Länge von 150 km von West nach Ost und einer Länge von 100 km von Nord nach Süd! Die Eisschicht ist hier im Durchschnitt etwa 400 m dick, an vielen Stellen sogar deutlich mehr. Wenn man an der Ringstraße entlang fährt, passiert man unzählige Gletscherzungen, die sich zwischen den Bergen in die Täler quetschen. Hinter jedem Berg findet sich eine neue Flut aus Eis, die mitunter sogar bis an die Straße reicht. Und an einer solchen kamen wir auch vorbei, als wir zum Eingang des Nationalparks fuhren. Ohne lange zu überlegen, machten wir natürlich Halt, um zum Gletscher zu laufen. Dank des nahezu wolkenfreien Himmels hatten wir nicht nur eine tolle Sicht auf die Gletscherzunge selbst, sondern auch auf den Vatnajökull, der sich im Hintergrund über der Gletscherzunge aufbäumte. Was die Gletscher in Island so unglaublich faszinierend macht – mal abgesehen davon, dass es eben Gletscher sind –, sind die vielen schwarzen Schichten aus Asche, die sich über Jahrhunderte hinweg in dem Eis abgelagert haben und damit längst vergangene Vulkanausbrüche unvergessen machen.

Am Eingang des Skaftafell Nationalparks informierten wir uns an einer Tafel erst einmal über die zahlreichen Wandermöglichkeiten. Es lohnt sich hier wirklich, längere Touren in Angriff zu nehmen, denn man kann relativ weit an den Gletscherzungen entlang laufen. Wenn man möchte, kann man bis zum Fuß einer ca. 240 m hohen Klippe wandern, an der der darauf liegende Vatnajökull quasi abgeschnitten wird. Die Klippe war einst unter einer Gletscherzunge versteckt, aber durch die Erderwärmung ist diese Gletscherzunge so weit geschmolzen, dass die Klippe nun vollständig zu sehen ist. Wenn man dort steht, kann man das Eis knacken hören und immer wieder brechen Eisberge vom Gletscher ab und krachen dann die Klippe hinunter. Wir haben davon leider erst zu spät erfahren und die Wanderung deswegen leider nicht gemacht. Stattdessen wählten wir eine etwa dreistündige Wanderung vorbei am Wasserfall Svartifoss bis zu einem Aussichtspunkt mit dem Namen Sjónarnípa, der auf einem der Berge an der Gletscherzunge Skaftafellsjökull liegt. Der Svartifoss ist ein ganz besonderer Wasserfall. Auf Deutsch heißt der Svartifoss „schwarzer Wasserfall“. Der Name ist durchaus passend, denn der Wasserfall ist umgeben von Säulen aus schwarzem Basalt, die an eine Orgel erinnern.

Svartifoss
Svartifoss

Vom Wasserfall aus läuft man über schmale Wege und Holzstege kontinuierlich durch bunte Steppen und niedrige Weiden. Es geht stetig bergauf bis zu einem steilen Hang am Rande des Berges, von dem aus man über die ganze Gletscherzunge des Skaftafellsjökull blicken kann.

Skaftafellsjökull
Skaftafellsjökull

Vom Aussichtspunkt aus sind wir dann wieder zurück Richtung Auto gelaufen. Der Weg führt neben der Gletscherzunge am Hang entlang und ist teilweise sehr uneben. Zu allem Übel verabschiedete sich zu diesem Zeitpunkt auch die Sonne wieder von uns. Binnen weniger Minuten war der Himmel wieder komplett zugezogen und es fing an zu regnen. Der Wanderweg war stellenweise vollständig überflutet und ziemlich schwer begehbar. Neben dem markierten Pfad zu laufen ist in Island außerdem ein absolutes No-Go. Also wateten wir durch Pfützen und Schlamm, rutschten den mitunter recht steilen Hang hinunter und sahen schon bald aus wie kleine Dreckspatzen. Unten angekommen klopften wir den Schlamm von unseren Klamotten und stiegen zurück ins Auto. Dann fuhren wir etwa 25 km weiter die Ringstraße entlang bis zu den beiden Gletscherlagunen Fjallsárlón und Jökulsárlón. Bei beiden handelt es sich um Gletscherseen am Fuße des Vatnajökull, in denen Eisberge herumtreiben, die vom Gletscher abgebrochen sind. Die Gletscherlagune Fjallsárlón ist die kleinere von beiden und nicht ganz so bekannt wir ihr berühmter Nachbar. Das hat den Vorteil, dass hierher kaum Touristen kommen und man spürbar mehr Ruhe hat.

Fjallsárlón
Fjallsárlón

Aber natürlich ist die Jökulsárlón nicht ohne Grund die Bekanntere der beiden Lagunen. Sowohl die Lagune selbst als auch die in ihr schwimmenden Eisberge sind deutlich größer als beim kleinen Bruder nebenan. Und dementsprechend natürlich auch der Wow-Faktor. Die Eisberge haben eine Höhe von bis zu 15 Metern und leuchten in einem wunderschönen Eisblau, das immer wieder von schwarzer Asche durchzogen wird. Außerdem leben in der Jökulsárlón einige Robben, die immer mal wieder ihre Köpfe aus dem Wasser strecken und sich mit etwas Glück sogar auf einem der Eisberge sonnen, was bei uns aber selbstverständlich nicht der Fall war.

Jökulsárlón
Jökulsárlón

Vom südlichen Ende der Jökulsárlón führt ein Fluss ins Meer. Die Entfernung zwischen der Lagune und dem Meer ist nicht groß, sodass bei uns die tosenden Wellen bis in die Lagune hinein gerollt sind. Je nach Gezeiten strömt das Wasser von der Lagune aber auch ins Meer und zieht dabei jede Menge Eisberge mit sich. Die Eisberge werden dann wiederum an die Küste gespült und bleiben dort auf dem schwarzen Sand liegen. Das Ergebnis ist ein schwarzer Strand mit hunderten von Eisbergen, genannt Diamond Beach. Die beste Zeit für einen Besuch an diesem Strand ist definitiv der Sonnenuntergang, denn da die Eisberge logischerweise am Strand schmelzen, werden sie klar und durchsichtig, sodass sich die untergehende Sonne darin reflektiert und das Eis leuchten lässt. Auch wir waren pünktlich zum Sonnenuntergang am Strand, genauso wie Dutzende von anderen Fotografen. Nur leider konnte man wegen der dicken Wolkendecke keinen Sonnenuntergang sehen und Reflektionen gab es sowieso schonmal gar keine. Dafür wurde es aber noch viel schneller dunkel und umso schwerer, überhaupt ein gutes Foto von diesem unglaublich schönen Ort zu machen. Als es dann langsam zu dunkel wurde, machten wir uns wieder auf den Weg und fuhren weiter zu unserem tollen Guesthouse in der kleinen Stadt Höfn.

Diamond Beach
Diamond Beach

Tag 8. Am achten Tag haben wir eigentlich nicht sehr viel mehr gemacht als etwas durch das gemütliche Höfn zu spazieren. Das lag zum Einen daran, dass wir uns mal eine Pause gönnen wollten; zum Anderen lag es aber auch daran, dass an diesem Tag eine bemerkenswert hohe Nordlichtaktivität zu erwarten war und wir deswegen abends ausgeschlafen sein wollten. Leider war es in Höfn sehr regnerisch und die Chance auf ein Stückchen wolkenfreien Himmel äußerst gering. Wenn wir die Lichter also sehen wollten, mussten wir aus der Stadt herausfahren. Damit ja nichts schief geht, planten wir beim Abendessen mithilfe einer Landkarte und verschiedenen Aurora-Websites und -Apps ganz genau, an welchem Ort wir uns zu welcher Uhrzeit aufhalten würden.

Kurz vor 21 Uhr starteten wir dann unseren nächtlichen Ausflug. Wir folgten der Ringstraße etwa eine Stunde Richtung Norden, bis wir dann am geplanten Küstenabschnitt ankamen. Tatsächlich war dort weitestgehend sternenklarer Himmel, von Nordlichtern fehlte jedoch jede Spur. Hoffnungsvoll vertrieben wir zunächst unsere Zeit damit, den Rastplatz zu erkunden, auf dem wir geparkt hatten. Aber nach einigen Minuten in der Kälte haben wir uns dann doch entschlossen, lieber im noch warmen Auto abzuwarten. Die Sitze so weit wie möglich nach hinten geklappt, lagen wir also im Wagen und schauten gespannt aus dem Fenster. Doch es passierte absolut nichts. Irgendwie hatten wir uns das wirklich deutlich leichter vorgestellt. Und wie wir da so lagen, dauerte es auch nicht lange, da wurden wir plötzlich hundemüde. Aber da wir natürlich noch nicht zurückfahren wollten, stellten wir uns den Wecker und gönnten uns etwas Schlaf. Gegen 24 Uhr wurden wir wieder wach, aber von Nordlichtern war noch immer keine Spur. Dafür stellten wir überrascht fest, dass wir inzwischen nicht mehr alleine auf dem Rastplatz waren. Wir beobachteten das hinzugekommene Auto eine Weile um herauszufinden, ob die Fahrer nur eine kurze Pause machen oder auf dem Rastplatz übernachten wollten. Dann sprang Fab plötzlich aus dem Auto und starrte über uns in den Himmel. Dort hatte sich eine lange, sachte und eher unscheinbare Linie gebildet, die mit dem bloßen Auge von einem Wolkenfetzen kaum zu unterscheiden war. Aber uns war sofort klar, dass es sich dabei nicht um eine Wolke handelte. Ich war gerade noch dabei, mir die Mütze auf den Kopf zu ziehen und in meine Handschuhe zu schlüpfen, da fing dieser Streifen plötzlich an, leuchtend grün zu strahlen und sich über unseren Köpfen durch den Himmel zu schlängeln. Minutenlang starrten wir in den Himmel, völlig fasziniert von diesem Naturspektakel. Allerdings sind die Lichter nicht ewig an einem Ort zu sehen, da sie sich ja ständig bewegen und deswegen waren sie dann irgendwann auch wieder so schwach, dass wir uns wieder zurück ins Auto setzten. Die Lichter sind natürlich trotzdem noch lange da, aber die meiste Zeit kann man sie mit dem bloßen Auge nicht sehen. Ob die Lichter noch da sind oder nicht findet man heraus, indem man einfach für einige Sekunden in den Himmel fotografiert. Auf dem Foto schimmert dann nämlich der ganze Himmel grün.

Nordlichter
Nordlichter

Nach und nach zogen dann auch über unseren Rastplatz dicke Wolken und dann konnten wir noch nicht einmal mehr Sterne sehen. Uns blieb daher nichts anderes übrig als langsam wieder zurück in Richtung Höfn zu fahren. Wir waren allerdings noch gar nicht weit gekommen, da tauchten über uns noch viel stärkere Lichter auf als die, die wir zuvor gesehen hatten. Bei der nächsten Gelegenheit stellten wir schnell das Auto am Straßenrand ab und stiegen aus, um erneut begeistert in den Himmel zu starren. Aurora führte über uns einen überwältigenden Tanz auf und zeigte sich sogar immer mal wieder in einem schönen Violett. Sie wanderte zur Küste und machte dann über dem Meer eine Kurve zurück zum Land.

Nordlichter
Nordlichter

Die Zeit verflog und mit ihr irgendwann auch das schöne Licht. Für uns war dies das Zeichen, dass unser Bett im Guesthouse nach uns rief. Auf der Rückfahrt schauten wir trotzdem immer wieder gen Himmel, sahen dort aber keine Lichter mehr. Als wir dann in unserem Bett lagen, hatten wir etwas gemischte Gefühle. Einerseits waren wir natürlich überglücklich, endlich mal richtige Nordlichter gesehen zu haben. Aber auf der anderen Seite hatten wir zuvor schon so viele Bilder und Videos von den Nordlichtern gesehen, die alle mehr versprochen hatten. Auf den Bildern sieht man nicht nur einen dünnen Streifen Licht über den Himmel wandern, sondern da ist der ganze Himmel voll mit tanzenden Lichtern. So unbeschreiblich faszinierend der Anblick in dieser Nacht auch war, wir wussten, da geht noch mehr. Wir wussten, Aurora hat noch viel mehr zu bieten. Und genau das wollten wir auch sehen.

Tag 9. Am nächsten Morgen packten wir völlig übermüdet unseren Koffer und quälten uns zum Frühstücksbuffet in der netten kleinen Küche unseres Guesthouses. Dort sprachen wir mit einem deutschen Paar, dass in die entgegengesetzte Richtung – also von Norden nach Süden – reiste und uns darüber informierte, wie wundervoll sonnig und sommerlich das Wetter auf ihrer Reise bisher war. Obwohl die beiden etwa zeitgleich mit uns nach Island gekommen waren, hatten sie tatsächlich noch gar keinen Regen auf ihrer Reise gehabt. Voller Hoffnung auf ein besseres Klima im Norden schauten wir auf die Wettervorhersage – Sturmwarnung für die nächsten Tage unserer Reise…

Aber es nützte ja nichts, viel ändern konnten wir daran nicht. Wir mussten einfach weiter abwarten und hoffen, dass sich das Wetter doch noch zum Guten wenden würde. Für die nächsten Tage war ohnehin erst einmal Pause angesagt. Wir hatten uns für vier Nächte ein wunderschönes Hotel in den Ostfjorden herausgesucht, denn schließlich muss man sich im Urlaub ja auch irgendwann mal erholen. Das Problem war nur, dass wir eigentlich darauf gehofft hatten, die freien Tage nutzen zu können, um nach langen Nächten des Nordlicht-Guckens gemütlich auszuschlafen. Nun machte es das Wetter aber vollkommen unmöglich, die Lichter überhaupt zu sehen.

Nichtsdestotrotz machten wir uns erst einmal auf den Weg zu unserem Hotel in Faskrudsfjordur, dieses Mal jedoch ohne Umwege und große Zwischenstopps. Dafür waren wir einfach zu müde. Stattdessen genossen wir einfach die Fahrt auf der Ringstraße, die im Osten direkt an der Küste entlang durch die Fjorde führt. Im Hotel angekommen, legten wir uns gleich ins Bett und standen später nur noch einmal auf, um in einem kleinen gemütlichen Restaurant essen zu gehen.

Tini

Das Land aus Eis und Feuer – Der Süden: Teil I

Da waren wir nun: Island. Eines der Länder, die schon lange ganz oben auf unserer Must-See-Liste standen. Warum? Weil es hier so viele tolle Dinge zu sehen gibt: Vulkane, Gletscher, Wasserfälle und nicht zuletzt natürlich die berühmte Aurora Borealis, auch bekannt als Nordlichter. Mit seinen knapp 335.000 Einwohnern ist Island natürlich eher dünn besiedelt, zumal schon mehr als ein Drittel davon in der Hauptstadt Reykjavik wohnen. Wer also lieber einen Hauch von Großstadtflair erleben möchte, auf Shoppen und Partys steht oder generell eher zu den Leuten gehört, die gerne nur in einem Hotel bleiben, der kann sich eine schöne Bleibe in Reykjavik suchen und von dort aus ganz bequem Tagesausflüge machen. Das ist tatsächlich gar kein Problem, weil die meisten coolen Orte an der Südküste liegen und von Reykjavik aus sehr gut zu erreichen sind. Wenn man aber – wie wir – etwas mehr Zeit und Lust hat, dann lohnt es sich wirklich, das Land in Ruhe zu erkunden. Auch das ist überhaupt kein Problem, denn tatsächlich führt die Hauptstraße Nr. 1 einmal komplett um die Insel. Die Ringstraße ist fast durchgängig asphaltiert und stets gut befahrbar. Von der Ringstraße führen immer wieder Straßen ab, teils asphaltiert, teils nur als Schotterstraße. Wichtig ist, dass man sich schon bei der Vorbereitung und Planung Gedanken darüber macht, wo man denn eigentlich so hinfahren möchte, denn viele der Straßen – insbesondere die im Hochland – sind mit dem normalen Pkw nicht befahrbar. Diese F-Roads sind nämlich nicht einfach nur Schotterstraßen, sondern haben teilweise (oder eigentlich fast überwiegend) wirklich nur Schlaglöcher und führen oftmals durch Bäche, mitunter sogar durch ganze Flüsse. Ohne Geländewagen mit 4WD geht auf diesen Straßen also gar nichts; wenn möglich sollte man sogar mit zwei Autos fahren, falls mal eines stecken bleibt. Zu einigen Orten im Hochland fahren aber auch spezielle Hochlandbusse und deswegen haben wir uns letztlich für den deutlich günstigeren Kompaktwagen entschieden. Bekommen haben wir einen kleinen Renault Megane, von dem wir wirklich gar nicht begeistert waren, aber man gewöhnt sich ja an alles. Tja und dann ging es auch schon los.

Tag 1. Da wir erst am späten Abend gelandet sind und irgendwann nachts unseren Mietwagen abgeholt haben, lag es natürlich nahe, die erste Nacht in Flughafennähe zu verbringen. Von dort aus sind wir dann am nächsten Morgen nach Reykjavik gefahren, um etwas durch die Straßen zu schlendern und noch gemütlich einen Kaffee zu trinken. Reykjavik ist eine sehr schöne und gemütliche Stadt mit vielen schönen Ecken und einem sehr aktiven Nachtleben. Da wir ja aber wussten, dass wir am Ende unserer Reise wieder nach Reykjavik kommen würden, wollten wir hier nicht allzu viel Zeit verlieren und haben uns deswegen schon am Nachmittag wieder auf den Weg gemacht, um den Golden Circle zu erkunden. Unser erster Stopp im Golden Circle war der Þingvellir Nationalpark (gesprochen wird das „Thinkwedlir“ – das Þ sollte man auf keinen Fall mit einem P verwechseln, denn es entspricht dem englischen Th, weswegen man auch Thingvellir schreibt).

Þingvellir

In Thingvellir wurde das isländische Parlament gegründet, eines der ältesten Parlamente der Welt. Aber auch landschaftlich ist der Nationalpark ganz interessant, denn er liegt genau auf der Grenze zwischen der eurasischen und der amerikanischen Platte. Da sich die beiden Platten voneinander wegbewegen, findet man hier Risse und Schluchten. Leider war das Wetter aber nicht ganz auf unserer Seite und der stürmische Wind mit leichtem Regen hat uns die Lust genommen, die Gegend etwas genauer zu erkunden. Aus diesem Grund sind wir schon am frühen Abend zu unserer Unterkunft aufgebrochen – einem einsamen kleinen Hostel irgendwo im Nirgendwo, dass ursprünglich mal eine Schule war und eigentlich auch noch genauso aussah. Selbst die Turnhalle war noch da, in der wir uns dann am Abend noch einmal mit einem kleinen Basketballduell richtig ausgetobt haben (Fab hat gewonnen, was aber selbstverständlich nur an meiner Müdigkeit gelegen hat…).

Tag 2. Am zweiten Tag ging es dann weiter durch den Golden Circle. Unser erstes Ziel war der Strokkur Geysir im Hochtemperaturgebiet Haukadalur. Im Gegensatz zu seinem Nachbarn, dem Großen Geysir (der Namensgeber aller Geysire), bricht der Strokkur ausgesprochen häufig aus, nämlich regelmäßig im Abstand von etwa 5-10 Minuten. Das Wasser erreicht eine Höhe von ca. 30 Metern und gibt damit ein faszinierendes Bild ab. Gestört wird dieses Bild nur durch die Masse von Touristen, die sich um den Geysir herum versammelt. Trotz der vielen Leute haben wir aber immerhin noch ein freies Plätzchen gefunden, an dem wir in Ruhe unser Kamerastativ aufbauen und versuchen konnten, die riesige Wassersäule auf ein Foto zu bekommen. Hierbei ist natürlich Geduld gefragt, denn es braucht doch so einige Versuche, bis man den richtigen Bildausschnitt gefunden hat, auf dem der ganze Geysir zu sehen ist. Man hat ja auch nur Sekunden Zeit, um den Auslöser zu drücken und dann ist erst einmal wieder Warten bis zum nächsten Ausbruch angesagt. Bei der ganzen Aktion war der starke Wind auch nicht gerade hilfreich, der das Wasser des Geysirs ganz schön mitgerissen hat. Zwischendurch hat der Wind dann auch einmal seine Richtung geändert und ist uns damit etwas zum Verhängnis geworden. Das ganze Wasser hat sich dann nämlich über uns ergossen und wir mussten schnell die Kamera mitsamt Stativ packen und davon rennen. Immerhin kühlt das kochende, ca. 100 °C heiße Wasser während der kurzen Eruptionsphase bereits so stark ab, dass es keine Gefahr mehr darstellt. Nach Schwefel stinkt es aber trotzdem.

Strokkur Geysir
Strokkur Geysir

Als wir dann ein paar Ausbrüche bestaunt hatten, haben wir noch einen kleinen Umweg auf einen benachbarten Berg gemacht, um etwas die Aussicht zu genießen. Landschaftlich war es aber, abgesehen vom Geysir am Fuß des Berges, doch etwas karg und der extreme Wind auf Dauer ziemlich anstrengend, sodass wir nicht lange geblieben sind. Stattdessen haben wir uns schnell wieder ins Auto gesetzt und sind zu unserem letzten Stopp im Golden Circle gefahren, dem gigantischen Gullfoss. Der Gullfoss ist ein atemberaubender Wasserfall, der zunächst aus einigen steilen Kaskaden besteht und sich dann einige Meter weiter in eine tiefe Schlucht ergießt.

Gullfoss
Gullfoss

Am späten Nachmittag haben wir dann unser Hotel in einem Örtchen namens Hvolsvöllur (wird „Kwolswödlur“ gesprochen) erreicht, indem wir uns für vier Nächte einquartiert haben. Leider hatten wir nicht erwartet, dass dieses Städtchen so tote Hose ist. Unser Abendessen fiel daher etwas spärlich aus mit Sandwiches, Brot, Avocado und für Fab ein halbes Hähnchen aus dem kleinen Supermarkt nebenan. Nach einem kurzen, aber dringend notwendigen Nickerchen klingelte dann um 22.30 Uhr unser Wecker, denn der Himmel schien wolkenfrei und deswegen wollten wir uns auf die Suche nach Nordlichtern machen. Obwohl Hvolsvöllur keine 1.000 Einwohner hat, gab es doch viele störende Lichter und Laternen, aber man musste eben auch nicht unbedingt weit laufen, um eine bessere Sicht auf den Himmel zu haben. Und siehe da: die ersten Nordlichter. Sie waren nicht stark und nicht sehr aktiv, aber immerhin konnte man sie mit bloßem Auge sehen und wir hatten ja schließlich auch noch genügend Nächte Zeit, um sie in voller Pracht zu genießen. Dachten wir jedenfalls. Und so sind wir schon bald wieder zurück ins Bett gegangen.

Nordlichter über Hvolsvöllur
Nordlichter über Hvolsvöllur

Tag 3. Unser dritter Tag verlief leider so gar nicht wie geplant. Eigentlich wollten wir mit der Fähre zu der Insel Heimaey fahren, die Größte der Westmännerinseln. Auf der Insel brach 1973 ein Vulkan aus, fast 400 Häuser wurden dabei unter Lava begraben. Heimaey wird deswegen auch das Pompeji des Nordens genannt. Obwohl der Vulkanausbruch damals unerwartet kam, konnte die Insel übrigens noch rechtzeitig evakuiert werden. Heute kann man sich den ganzen Schlamassel angucken. Vorausgesetzt die Fähre hat nicht Ruhetag wegen Wartungsarbeiten. So wie bei uns.

Nachdem wir dann also einmal umsonst zum Fährhafen gefahren sind, wurde aus unserem Inseltag ein Wasserfallbesichtigungstag. Fast direkt an der Straße zur Fähre befindet sich der berühmte Seljalandsfoss, um den man komplett herumlaufen kann. Auch hier tummelten sich unzählige Touristen, mitunter ganze Reisebusse.

Seljalandsfoss
Seljalandsfoss

Neben dem Seljalandsfoss kann man noch einen kleinen Weg am Berg entlang laufen, an dessen Ende man eine Höhle mit einem weiteren Wasserfall findet. In die Höhle kommt man allerdings nur, indem man durch den kleinen Bach läuft, der durch den Wasserfall entsteht. Man sollte also entweder gut auf Steinen balancieren können oder wenigstens ordentliche Wanderschuhe tragen. Als wir in die Höhle kamen, waren wir so gut wie alleine. Allerdings haben uns die Leute hinein stapfen sehen und so hat sich die Höhle nach und nach mit Leuten gefüllt. Anfangs klappte noch alles super; die Leute haben sich in einer Reihe angestellt, um nacheinander auf den großen Stein vor dem Wasserfall zu klettern und sich fotografieren zu lassen, man hat sich gegenseitig geholfen und es war richtig nett. Bis dann ein Paar in die Höhle kam, an der „Warteschlange“ vorbei marschierte, auf den Stein kletterte und dort in aller Seelenruhe den anderen die Laune verdarb. Tja und wie es eben so ist, wenn einer anfängt und neue Leute dazu kommen, hat es nicht lange gedauert, da war in der Höhle das Chaos ausgebrochen und man konnte kaum noch etwas sehen. Zeit für uns zu gehen.

Wasserfall in der Höhle
Wasserfall in der Höhle

Nächster Halt: Skógafoss, ein gewaltiger Wasserfall von 25 Metern Breite und ganzen 60 Metern Höhe. Es ist Wahnsinn, wie winzig und unbedeutend man sich vorkommt, wenn man vor so einem Wasserfall steht und sich den Nacken verrenkt, um bis nach oben schauen zu können.

Skógafoss
Skógafoss

Leider verfolgten uns noch immer Wind und Regen und so beschlossen wir, zum Hotel zurückzukehren und die nächsten beiden Tage zu planen, an denen wir zwei der wohl atemberaubendsten Gegenden Islands erkunden wollten: Þórsmörk (Thorsmörk) und Landmannalaugar. Beide Orte sind mit dem normalen Pkw nicht zu erreichen und es zu versuchen wäre einfach nur dumm. Und leider hatte auch bereits die Wintersaison begonnen, weswegen Touren dorthin so gut wie gar nicht mehr stattfanden bzw. die letzten Wenigen restlos ausgebucht waren. Letztendlich blieb uns also nur noch der Hochlandbus, der zum Glück gerade noch in der Saison-Auslaufphase war und so wenigstens noch 1-2 Mal am Tag fuhr.

Absolut langwierig, chaotisch und nervenaufreibend wurde dann aber die Planung unserer Wanderroute für Þórsmörk. Þórsmörk ist der Ort, auf den ich mich vor der Reise wohl am allermeisten gefreut habe. Übersetzt heißt Þórsmörk „Wald des Thor“ und der Donnergott hat dort wirklich erstaunliche Arbeit geleistet. Zwischen Þórsmörk und dem angrenzenden Goðaland hat der Gletscherfluss Krossá ein gigantisches Flussbett in die Berglandschaft gegraben. Das Tal liegt zwischen drei Gletschern und bietet absolut faszinierende Blicke auf Berghänge, die mit isländischem Moos und einigen Birken bewachsen sind. Einer der drei Gletscher ist der Eyjafjallajökull, der erst vor wenigen Jahren weltweite Berühmtheit erlangt hat. Unter dem Gletscher befindet sich nämlich der Vulkan, der 2010 ausgebrochen ist und den gesamten europäischen Flugverkehr lahmgelegt hat. Bei dem Ausbruch sind die zwei neuen Krater Magni und Modi entstanden, die heute noch immer so heiß sind, dass man auf der Lava seine Sandwiches braten kann. Von Þórsmörk führt ein Wanderweg direkt über die frischen Lavafelder zu den beiden Kratern und weiter nach Süden bis zum Skógafoss, den wir bereits besichtigt haben. Die Strecke ist etwa 25 km lang und dauert 8-10 Stunden. Und da ich UNBEDINGT die Lavafelder und die beiden Krater sehen wollte, habe ich diese Tageswanderung fest eingeplant. Nur leider war eben schon Wintersaison und der Bus vom Skógafoss zurück zu unserem Hotel fuhr nicht mehr. Hinzu kam noch, dass uns der nette Herr in der Touristeninformation in Hvolsvöllur vor der Wanderung gewarnt hat. Denn während Þórsmörk dank der drei Gletscher relativ wettergeschützt ist, ist man auf den Bergen der vollen Gewalt Thors ausgesetzt. Das Wetter ist absolut unberechenbar und kann innerhalb weniger Stunden von strahlendem Sonnenschein über Regen bis hin zu Schneestürmen wechseln. Der Herr in der Information meinte, wenn das Wetter in Hvolsvöllur normal ist, dann ist es dort oben windig und wenn es in Hvolsvöllur windig ist, dann ist dort oben Sturm. Und es war windig in Hvolsvöllur. So windig, dass wir bereits all unsere Kleidungsschichten trugen, die wir dabei und eigentlich für die kalten Nächte eingepackt hatten. So windig, dass wir immer so schnell wie möglich wieder ins Auto oder ins Hotel gehuscht sind. Und trotzdem: wir wollten diese Krater sehen!

Nach einigem Hin und Her mit ausgebreiteten Karten, Google Maps und zahlreichen Missverständnissen hatten wir dann endlich die – eigentlich ziemlich simple – Lösung: Mit dem Hochlandbus nach Þórsmörk, Wanderung zu den Kratern und zurück ins Tal und mit dem Hochlandbus zurück nach Hvolsvöllur. Das Problem an der Sache war, dass wir nur sechs Stunden Aufenthalt hatten, die Entfernung zum Krater 8 km pro Strecke betrug und der Weg dorthin im Internet als extrem steil und anstrengend beschrieben wurde. Aber es war unsere einzige Chance und die wollten wir nutzen.

Tag 4. Am nächsten Morgen stiegen wir also in den Hochlandbus, der uns nach Þórsmörk bringen sollte. Von der Ringstraße aus führt eine Schotterpiste durch zahlreiche, teilweise nicht ganz ungefährliche Furten bis in das Krossátal zwischen Þórsmörk und Goðaland. Die Fahrt dorthin ist wirklich abenteuerlich und vermutlich nichts für Leute, denen schnell schlecht wird. Auf der holprigen Strecke kann man nämlich leicht mal vom Sitz abheben. Hin und wieder trifft man unterwegs mal auf mehr oder weniger verzweifelte Touristen in ihren Geländewagen, die vor einer der Furten halten und darüber nachdenken, wie sie diese am besten überqueren können. An einem Fluss stand ein SUV von Richtung Þórsmörk kommend, dessen Fahrer sich anscheinend nicht mehr weiter getraut hat. Verübeln kann man es ihm kaum, denn wir hätten uns sicher auch nicht getraut. Unsere Vermutung ist, dass er einige Tage in Þórsmörk geblieben ist und sich der Fluss wegen des ständigen Regens in der Zwischenzeit gefüllt hat. Wie dem auch sei, am Abend stand er jedenfalls nicht mehr da.

Auf dem Weg nach Þórsmörk
Auf dem Weg nach Þórsmörk
Hochlandbus in Þórsmörk
Hochlandbus in Þórsmörk

Unsere Wanderung begann am Básar, einem kleinen Campingplatz am Rande des Tals. Von dort aus führt der Weg zunächst durch lichten Birkenwald die ersten Berge hinauf. Oben angekommen hat man eine grandiose Aussicht auf die umliegenden Schluchten, die drei Gletscher und die vielen schwarzen vulkanischen Berge mit ihrem leuchtend grünen Moos. Es war einfach absolut überwältigend. Begleitet wurden wir von einem Wechsel aus Wolken, leichtem Sonnenschein und Regen, was dem Bild zusätzlich noch herrliche Regenbögen hinzufügte. Die erste große Hürde auf unserer Wanderung ließ jedoch nicht allzu lange auf sich warten. Sie trägt den Namen Cat’s Spine (Katzenwirbelsäule) und ist ein schmaler Kamm, der zu beiden Seiten ziemlich steile Hängen hinunter in die Täler hat.

Cat's Spine
Cat’s Spine

Normalerweise scheint es hier ein Seil zu geben, an dem man sich wenigstens festhalten kann, bei uns gab es dieses aber nicht oder war zumindest nur noch an einem Ende des Kamms vorhanden. Für mich und meine Höhenangst war dies hier das absolute Horrorszenario. Dennoch wurde der Drang, einfach umzukehren, durch den Wunsch besiegt, die frische Lava mit eigenen Augen zu sehen. Und so quälte ich mich mit weichen Knien auf wackeligen Beinen über den schmalen Grat, den Blick stets gebannt auf meine Füße gerichtet in dem verzweifelten Bemühen, nicht in die tiefen Abgründe zu schauen, die sich nur wenige Zentimeter links und rechts neben mir auftaten. Auf der anderen Seite hieß es erst einmal tief durchatmen, bevor ich den Blick wieder heben und die neue Aussicht genießen konnte.

Cat's Spine
Cat’s Spine

Mittlerweile waren wir genau zwischen den zwei Gletschern Eyjafjallajökull und Mýrdalsjökull angekommen. Doch als ob es nicht so schon atemberaubend und beängstigend zugleich wäre, zwischen zwei so gigantischen Gletschern zu stehen, wirkt der Mýrdalsjökull ganz besonders bedrohlich. Grund dafür ist wohl das Wissen, dass unter diesem fast 600 km² großen Gletscher der Vulkan Katla mit seiner 100 km² großen Caldera lauert und genau dieser Vulkan wahrscheinlich sehr bald ausbrechen wird. Der Ausbruch ist schon mehr als überfällig und Ende August gab es bereits mehrere starke Erdbeben, die stärksten seit Jahrzehnten. Dieser Vulkan ist so gewaltig, dass für den Fall seines Ausbruchs eine Veränderung des gesamten Weltklimas erwartet wird. Was der Eyjafjallajökull 2010 in einer Woche an Asche ausgespuckt hat, spuckt der Katla in 10 Minuten. Etwas furchteinflößend ist es also schon, wenn man direkt neben einem solchen hochaktiven Koloss steht. Doch es sollte noch schlimmer werden…

Ein weiterer steiler Anstieg brachte uns auf eine Ebene in etwas über 830 Metern Höhe. Und dort wurde uns schlagartig klar, was der Herr in der Touristeninformation meinte. Wenn es unten windig ist, dann herrscht dort oben Sturm. Richtiger Sturm. Beim Überqueren der Ebene haben uns solche starken Sturmböen erwischt, dass ich immer wieder abrupt nach Fabs Hand griff, um mich wenigstens irgendwo festhalten zu können. Und obwohl wir uns schließlich nur noch aneinander geklammert gemeinsam gegen den Wind stemmten, wurden wir teilweise miteinander einfach mal locker einen Meter vom Weg abgeschoben. Ich merkte, wie mir der Wind langsam die Kontaktlinsen in den Augen zur Seite schob und irgendwann prallte mir auch noch Hagel hart ins Gesicht. Zwischendurch gab es immer wieder kurze windstille Momente, aber selbst dann hörte man schon das ohrenbetäubende, donnerartige Grollen des Windes, der über den Gletscher hinweg mit voller Wucht auf uns zurollte und uns jeden Augenblick wieder erfassen würde. So schnell wie möglich überquerten wir die lange Ebene, um dem Sturm zu entkommen. Aber am Ende der Ebene erwartete uns eine böse Überraschung: Hell’s Ridge, der Höllenkamm. Und obwohl unser heiß ersehntes Ziel nur noch wenige Minuten entfernt lag, obwohl wir solche Mühen auf uns genommen hatten und obwohl wir sogar schon sehen konnten, wie sich die Lava vor uns in die Schluchten ergoss, war uns sofort klar, dass wir keinen Schritt weiter gehen würden. Hell’s Ridge ist ein Bergkamm, noch schmaler, noch steiler und noch gefährlicher als Cat’s Spine. Und als wäre das nicht schon genug, kamen dazu noch die unberechenbaren Sturmböen, die uns so verdammt einfach vom Weg geschoben haben. Neben dem Höllenkamm befand sich ein kleiner Wasserfall – dessen Wasser nach oben wehte. Tja und obwohl wir auf der anderen Seite einen Wanderer den letzten Berg erklimmen sahen, hatten wir hier unser Ende erreicht.

Hell's Ridge
Ein kleiner Ausschnitt von Hell’s Ridge. Den Großteil sieht man auf dem Bild nicht, weil er hinter der Kante versteckt ist, da es erst einmal bergab geht. So nah wollte ich aber nicht herangehen für ein Foto.
Lava von Magni und Modi
Lava von Magni und Modi

Wir machten also kehrt, gingen den ganzen Weg zurück über die Ebene, über Cat’s Spine und die Berge wieder hinunter. Nach einer kurzen Erholungspause am Básar blieben uns noch etwa zwei Stunden, bis uns der Bus zurück in die Stadt bringen würde. Diese Zeit haben wir ganz gut genutzt, indem wir einfach im Tal entlang des Krossáflussbettes spaziert sind und die Ruhe genossen haben. Zurück in Hvolsvöllur gönnten wir uns noch eine große warme Mahlzeit in einer netten kleinen Pizzeria und ließen dann schließlich den Tag im hoteleigenen Hot Tub ausklingen.

Tag 5. Trotz schmerzender Glieder ließen wir es uns nicht nehmen, am folgenden Tag mit dem Hochlandbus nach Landmannalaugar zu fahren. Landmannalaugar liegt im Hochland und gilt als eine der schönsten Regionen Islands. Grund dafür sind die fantastisch bunten Berge, die ihre Farben der hohen vulkanischen Aktivität verdanken. Eisen, Schwefel, Kalk und Kieselsäure haben die Berge rot, gelb, weiß und türkis gefärbt. Mittendrin findet man schwarze Lavafelder mit leuchtend grünem isländischem Moos sowie hier und da ein paar Dampfschwaden aus Fumarolen. Ergänzt wird das Bild wundervoll durch viele unberührte Schneekleckse.

Landmannalaugar
Landmannalaugar

Schon allein die Fahrt nach Landmannalaugar ist den Besuch allemal wert. Wir sind im Städtchen Hella, dem Nachbarort von Hvolsvöllur, in den Bus gestiegen und von dort aus etwa 2,5 Stunden gefahren. Zunächst fährt man noch eine ganze Weile auf asphaltierter Straße, vorbei an Bergen und dem Vulkan Hekla. Aber sobald man die Straße verlässt und auf die Hochlandpiste (F208) kommt, ändert sich die Landschaft in eine unvergleichliche Vulkanlandschaft. Hier lohnt es sich wirklich, mit dem eigenen Geländewagen unterwegs zu sein, denn man möchte einfach ständig anhalten und staunen. Egal wohin man schaut, man sieht schwarzen Sand und Lavagestein soweit das Auge reicht. Zwischendrin ragen immer wieder tiefschwarze Berge aus dem Boden, oftmals auch diese mit leuchtend grünem Moos bewachsen. Eine Stunde fährt man durch dieses Bild, bis man letztlich nach dem Überqueren einer großen Furt am Campingplatz in Landmannalaugar ankommt.

Auf dem Weg nach Landmannalaugar
Auf dem Weg nach Landmannalaugar

In Landmannalaugar selbst gibt es zahlreiche markierte Wanderwege, einer davon führt sogar bis nach Þórsmörk. Leider hatten wir auch hier wieder das Problem, dass die Busse wegen der startenden Wintersaison nur sehr eingeschränkt unterwegs waren und deswegen blieben uns hier gerade mal drei Stunden, um die Landschaft zu erkunden. Eigentlich hätten wir laut Fahrplan 3,5 Stunden haben sollen, aber zu unserem Übel war der Busfahrer sehr entspannt im Hinblick auf Pünktlichkeit. Der Bus hätte 9.30 Uhr in Hella losfahren sollen, kam dort aber erst 9.40 Uhr an. Soweit so gut, nur leider stieg der Busfahrer dann erst einmal aus und verkündete eine 10-minütige Pause. Während der Pause stand er gemütlich vorm Bus und als die 10 Minuten rum waren, stapfte er los, um sich im Supermarkt Kaffee zu holen, den er dann noch in aller Ruhe auf dem Rastplatz trinken wollte. Losgefahren sind wir dann um 10 Uhr und damit war unser Aufenthalt deutlich gekürzt. Letztendlich konnten wir ja froh sein, dass wir Landmannalaugar überhaupt einen Besuch abstatten konnten, denn die Zugangspisten sind gerade mal zwei Monate im Jahr offen. Und auch mit dem Wetter hatten wir einigermaßen Glück. Es hat zwar – mal wieder – fast die ganze Zeit geregnet, aber im Durchschnitt herrschen hier Temperaturen von um die 0 °C, sodass es selbst im Sommer starke Temperatureinbrüche und plötzliche Schneestürme gibt. Das Wetter in Landmannalaugar ist wohl tatsächlich schon einigen Wanderern zum Verhängnis geworden, die bei schönstem Sommerwetter ohne entsprechend warme Kleidung losgestapft sind.

Herausgesucht hatten wir uns eine etwa dreistündige Wanderung, die wegen der Verspätung letztlich etwas hektisch ausgefallen ist. Los ging es vom Campingplatz aus vorbei an einer heißen Quelle, die bei Reisenden ein beliebtes Ziel zum Baden ist.

Heiße Quellen in Landmannalaugar
Heiße Quellen in Landmannalaugar

Von dort aus führt ein Weg über den moosbewachsenen Lavastrom Laugahraun, der aus dem glänzenden Lavagestein Obsidian besteht. Hat man den Lavastrom passiert, geht der Weg weiter durch ein kleines Tal, in dem man einen kleinen Bach überqueren muss. Dahinter beginnt der äußerst steile und anstrengende Aufstieg auf den Vulkan Brennisteinsalda. Der Berg ist eigentlich ein Lavadom, d.h. bei dem letzten Ausbruch war die Lava so zähflüssig, dass sie direkt über der Austrittsstelle einen Hügel gebildet hat und so auch erkaltet ist. Da der Vulkan aber noch immer aktiv ist, bilden sich dort dampfende Fumarolen und wunderschöne Farben. Beim Aufstieg läuft – bzw. wohl eher klettert, denn es ist wirklich sehr steil – man fast ausschließlich auf Ascheablagerung, was das Ganze nicht unbedingt vereinfacht. Man kann sich das in etwa so vorstellen, als würde man einen Sandberg hinaufklettern, bei dem einem ständig der Sand unter den Füßen wegrutscht. Aber die Mühe lohnt sich, denn von oben hat man eine Wahnsinns-360°-Aussicht über die umliegenden Vulkane und Täler.

Aussicht vom Vulkan Brennisteinsalda
Aussicht vom Vulkan Brennisteinsalda

Allerdings wehte uns auch hier ein sehr starker Wind um die Ohren und dank der Verspätung mit dem Bus hatten wir ja ohnehin keine Zeit für eine ausgiebige Pause. Deswegen haben wir uns schon bald wieder an den Abstieg auf der anderen Seite des Berges gemacht, auf der die dampfenden Fumarolen noch einmal von Nahem zu sehen sind.

Vulkan Brennisteinsalda mit seinen Fumarolen
Vulkan Brennisteinsalda mit seinen Fumarolen

Unten angekommen ging es dann noch einmal kurz über den Lavastrom und weiter durch eine kleine Schlucht zwischen Lavafeld und einem blaugrauen Vulkan aus Pechstein. Pünktlich zur Abfahrt saßen wir dann wieder im Bus, müde und mit schmerzenden Beinen – und etwas traurig, dass wir hier nur so wenig Zeit zum Erkunden hatten.

Tini

Abspann Teil 2 – Gili Tralala

Da waren wir nun – auf Gili Trawangan, der Hauptinsel der Gili Islands (oder Gili Tralala, wie es die Indonesier gerne nennen). Weit weg von all dem Trubel und dem Stress. Naja, eigentlich nicht ganz so weit weg, denn von Lombok sind die Gilis nur einen Katzensprung entfernt und von der Westseite der Insel aus kann man sogar manchmal den Vulkan von Bali erkennen. Aber es fühlt sich zumindest so an, als hätte man hier seine Ruhe. Es gibt keine Autos, sondern nur Fahrräder und Pferdekutschen. Wozu auch, die ganze Insel lässt sich entspannt in 90 Minuten zu Fuß umrunden. Und Autos sind ohnehin nur laut und dreckig. Wegen dem Dreck sind auch Hunde auf Gili Trawangan verboten, aber dafür gibt es umso mehr Katzen, die überall herumstreunen und sich immer über eine Streicheleinheit freuen.

Hoteldeko
Hoteldeko

Ein bisschen fühlt man sich hier schon wie im Paradies. Es gibt schöne Strände, türkisblaues Meer und Restaurants direkt am Wasser, mit Sitzsäcken und Tischen mitten im Sand.

Gili Trawangan mit Ausblick auf Gili Meno (links) und Lombok (im Hintergrund)
Gili Trawangan mit Ausblick auf Gili Meno (links) und Lombok (im Hintergrund)
Gili Trawangan
Gili Trawangan

Schlafen kann man in einem der zahlreichen hübschen Holzbungalows mit Outdoordusche oder man findet mit etwas Glück eines der wenigen Zimmer mit Klimaanlage und Warmwasser. Da wir bereits vor unserer Ankunft gebucht hatten, konnten wir uns an Letzterem erfreuen, was unseren einwöchigen Aufenthalt um einiges angenehmer gemacht hat. Trotzdem muss man natürlich mit Einschränkungen leben. Warmwasser heißt noch lange nicht, dass man sich unter die heiße Dusche stellen kann und WLAN bedeutet auch nicht, dass man tatsächlich Verbindung zum Internet bekommt. Wir hatten mitunter mehrmals am Tag Stromausfälle, an einem Abend sogar im Minutentakt. Aber wenn ich so an Koh Rong in Kambodscha zurückdenke – wo es überhaupt nur in den Abendstunden Strom, ausschließlich eklige Gemeinschaftsbäder und sowieso schonmal gar kein warmes Wasser gab – war es hier im Großen und Ganzen doch schon richtig komfortabel. Trotzdem kann Gili Trawangan nicht mit Koh Rong mithalten, obwohl es durchaus gut geeignet ist, um einfach mal für eine Woche die Seele baumeln zu lassen. Und das haben wir auch richtig ausgenutzt. Die meiste Zeit haben wir einfach nur am privaten Strandabschnitt unseres Hotels herumgelegen oder im Pool geplanscht (tatsächlich hat eigentlich jede noch so kleine Unterkunft einen eigenen Pool). Einmal sind wir komplett um die Insel herumspaziert und zwei Mal waren wir direkt vor unserem Hotel schnorcheln. Die Strömung ist hier ziemlich stark und auf Dauer ist es wirklich anstrengend, sich nicht einfach wegspülen zu lassen. Aber man wird mit vielen bunten Fischen und gut einen Meter großen Meeresschildkröten belohnt. Leider muss man dafür erst eine ganze Weile über abgestorbene Korallen hinweg schwimmen, die es übrigens auch fast unmöglich machen, im Meer baden zu gehen. Gerade bei Ebbe ist es eine unglaubliche Qual, ins Wasser zu laufen. Und es ist natürlich schon ganz schön ärgerlich, wenn man den Weg zu einer schönen kleinen Insel auf sich nimmt und dann noch nicht einmal im Meer baden gehen kann.

Zwischendurch haben wir viele billige, aber unglaublich leckere Fruchtsäfte geschlürft oder sind in einer der zahlreichen Bars einen Cocktail trinken gegangen (ich sag nur Wassermelonen-Mojito!). Und irgendwann haben wir die Paradise Sunset Bar auf der anderen Seite der Insel entdeckt, in der sich jeden Abend Dutzende von Menschen versammeln, um sich auf einen der Sitzsäcke oder Liegestühle zu lümmeln und bei einem Bierchen gebannt den spektakulären Sonnenuntergang hinter Bali zu verfolgen.

Paradise Sunset Bar
Paradise Sunset Bar

Doch inzwischen ist auch diese wunderbare Zeit schon wieder vorbei. Wir sind wieder zurück auf Bali, wo wir uns noch einmal eine traditionelle balinesische Massage gegönnt haben und in die zwei Meter hohen Wellen gesprungen sind (nein, das ist nicht übertrieben – die Wellen waren größer als die Surfer). Und morgen geht unser Flug nach Bangkok, dem letzten Stopp auf unserer großen Reise.

– Tini

Abspann Teil 1

Nach all den Monaten des Reisens ist bei uns nun endlich Urlaub angesagt. Bevor es wieder nach Hause geht, wollten wir noch einmal richtig entspannen und das viel umschwärmte Bali schien dafür der perfekte Ort zu sein. Während in den meisten Teilen Südostasiens gerade Monsunzeit herrscht, wurden wir auf Bali von 30°C im Schatten und strahlendem Sonnenschein begrüßt. Perfektes Badewetter also. Vor der Einreise in Indonesien haben wir uns zum ersten Mal nicht auf ein bestimmtes Tagesbudget festgelegt, denn statt ständig nur auf’s Geld zu schauen, wollten wir es uns hier endlich mal so richtig gut gehen lassen. Wir haben uns ein gutes Hotel gegönnt, mit zwei Pools inklusive Poolbars, Massageservice auf dem Zimmer (welchen wir selbstverständlich in Anspruch genommen haben), reichhaltigem Frühstücksbuffet und eigener Hausbar. Und wenn wir nicht gerade im Hotel relaxt haben, dann sind wir in eines der nur wenige Minuten entfernten Shoppingcenter oder an den beliebten Strand von Kuta gegangen, an dem man zwischen Dutzenden von Surfern durch gigantische Wellen tauchen kann.

Doch die Insel Bali ist inzwischen kaum noch für ihre (ziemlich schmutzigen) Strände als vielmehr für ihre Vulkane und Reisterrassen bekannt. Deswegen haben wir mit dem hoteleigenen Fahrer eine private Tour in das Herz der Insel gemacht, wo dies und noch viel mehr zu finden ist. Doch obwohl uns an der Rezeption versprochen wurde, dass unser Fahrer gleichzeitig als Tourguide dienen würde, konnte der Fahrer kaum Englisch und an Erklärungen unterwegs war nicht zu denken. Auch schien der Fahrer die vereinbarte Route nicht zu kennen, sodass wir zum Beispiel den Haupttempel der Insel gar nicht zu sehen bekamen. Stattdessen brachte er uns zu irgendwelchen anderen Tempeln, zu denen Touristen wohl üblicherweise hingekarrt werden. Die Hauptreligion in Indonesien ist der Hinduismus und da wir in Südostasien bisher eigentlich nur buddhistische Länder besucht haben, war die Bauweise der hiesigen Tempel ganz neu für uns. Immerhin haben wir eine Sache von unserem Fahrer erfahren: Auf Bali hat jede Familie ihren eigenen Tempel. Wahnsinn!

Nach dem ersten Tempel hat uns unser Fahrer einen Besuch im Monkeyforest aufgeschwatzt (soweit man das ständige Zeigen auf ein Bild mit Affen und das permanente Wiederholen des Wortes „Monkeyforest“ als Aufschwatzen bezeichnen kann). Der Monkeyforest ist im Wesentlichen genau das, wonach es klingt, nämlich ein Wald voller Affen. Er kostet zwar Eintritt, aber immerhin muss man den Betreibern zu Gute halten, dass sie sich auch wirklich für die Affen einsetzen. Es gibt eine Affenklinik und Besucher werden davon abgehalten, die Affen zu begrabschen oder ihnen irgendwelche unverträgliche Nahrung zu geben. Allerdings kann man überall Bananen für die Tierchen kaufen und oftmals wollen die Affen auch von sich aus auf den Menschen herumklettern.

Später ging es dann weiter zum Vulkan Mt. Batur, wo wir wiederum neben mehreren Bussen auf einer Aussichtsplattform abgesetzt wurden und einen kurzen Blick auf die Caldera werfen konnten. Eine Straße führt zwar durch das Lavagestein hindurch direkt zum riesigen Kratersee und nun könnte man denken, wenn man sich schon eine private Tour leistet, dann wird man vielleicht auch über den Touri-Aussichtspunkt hinaus bis dorthin gefahren, aber Fehlanzeige. Ein paar Fotos später saßen wir auch schon wieder im Auto auf dem Weg Richtung Kaffeeplantage.

Mt. Batur, Bali
Mt. Batur, Bali

Immerhin wurden wir dort herzlich von einem Jungen empfangen, der ziemlich gut Englisch konnte und uns herumgeführt hat. Danach bekamen wir noch ein paar Kostproben von verschiedenen Kaffee- und Teevariationen wie Ginseng-Kaffee, Kokos-Kaffee, Zitronengras-Tee, Hibiskus-Tee und noch einigen anderen Sorten. Und dann haben wir uns noch einen Wiesel-Kaffee gegönnt. Die Wiesel leben auf Bali übrigens in freier Natur und nicht wie in Dalat im Käfig, also konnten wir den Kaffee besten Gewissens genießen. Nachdem wir dem Jungen etwas Schokolade und Kaffee abgekauft hatten, machten wir uns schließlich auf den Weg zu den Reisterrassen. Eigentlich wollten wir uns schon in Vietnam Reisterrassen anschauen, konnten es dann aber wegen dem Wetter nicht. Das wollten wir auf Bali unbedingt nachholen. Ehrlich gesagt waren wir von dem Anblick ziemlich enttäuscht, denn der Bereich war deutlich kleiner als erwartet und nur äußerst schwer begehbar. Auf dem halben Weg durch die Reisterrassen haben wir schließlich Kehrt gemacht und sind wieder ins Auto gestiegen, um mit einem weiteren ungeplanten Zwischenstopp bei einem Tempel wieder zurück zum Hotel zu fahren. Insgesamt war unsere Tour also nicht so toll und trotz des nicht gerade geringen Aufpreises dafür, dass sie eigentlich nach unseren Vorstellungen ablaufen sollte, war sie ziemlich touristisch.

Reisterrassen, Bali
Reisterrassen, Bali

Überhaupt ist Bali bei Weitem nicht so toll, wie es häufig dargestellt wird. Vom viel umschwärmten Paradies ist hier wohl schon seit Langem nichts mehr zu sehen. Vielmehr ist Bali heute quasi das Mallorca der Australier und dadurch zu einem gewaltigen und wirklich unschönen Touristen-Mekka mutiert. Es wimmelt nur so von Touristen, die jeden Anstand zu Hause gelassen haben und es ist kaum möglich, sich auf den Straßen oder auch nur am Strand aufzuhalten, ohne von Verkäufern belästigt zu werden. Die Balinesen nutzen den Tourismus, um aus allem Möglichen und Unmöglichen Geld herauszuschlagen. Selbst für die Zugangsstraße zum Vulkan mussten wir Eintritt bezahlen und beim letzten Tempel auf unserer Tour führte der Ausgangsweg durch einen Markt, der größer war als das gesamte Tempelgelände. Es gab keinen anderen Weg aus dem Tempel heraus als durch das ganze lange Gewirr von Verkäufern, die einen in ihren Stand zerren wollten und einem irgendwelche Preise hinterhergerufen haben. Zwei Wochen auf dieser Insel? Niemals!

Zum Glück kann man von Bali aus recht schnell auf eine der vielen anderen indonesischen Inseln flüchten. Wir haben uns für die Gili Islands entschieden, eine kleine Inselgruppe vor der östlich von Bali gelegenen Insel Lombok. Die Fahrt dorthin dauert mit dem Speedboat etwa zwei Stunden, doch trotz zahlreicher Anbieter für die Überfahrt war es gar nicht so einfach, ein geeignetes Unternehmen zu finden. Obwohl Indonesien aus über 17.000 Inseln besteht und damit wohl mehr auf Boote und Fähren angewiesen ist als jedes andere Land, sind die Sicherheitsstandards mehr als problematisch. Man hört die gruseligsten Stories und erst zwei Tage vor unserer Ankunft auf Bali ist eine der Fähren zwischen Bali und den Gilis explodiert. Deswegen haben wir vorsichtshalber vorher sämtliche Unternehmen gegoogelt und siehe da, die Fähre, die wir eigentlich nehmen wollten, war genau die, die keine Woche zuvor in Flammen aufgegangen war. Grund genug, uns letztendlich für die mit Abstand teuerste Überfahrt zu entscheiden, die bei Tripadvisor die mit Abstand besten Bewertungen hatte. Inzwischen sind wir heil auf der Hauptinsel Gili Trawangan angekommen und die zweistündige Überfahrt haben wir gemütlich und völlig entspannt auf Liegen in der Sonne verbracht.

– Tini & Fab

Sydney vs. Melbourne

Australien stand ja lange Zeit ganz weit oben auf der To-Do-Liste für unsere Reise, doch aus finanziellen und wettertechnischen Gründen mussten wir es schweren Herzens von unserem Reiseplan streichen. Da Direktflüge nach Neuseeland aber viel zu teuer waren und Australien ohnehin mehr oder weniger auf dem Weg lag, hat sich ein Zwischenstopp ja geradezu aufgedrängt. Natürlich lag es da auf der Hand, zumindest auf einer Strecke im legendären Sydney vorbeizuschauen. Doch Sydney liefert sich mit Melbourne einen harten Kampf um das Image der schönsten Stadt Australiens. Von Melbourne hatten wir zuvor wirklich nur Gutes gehört und deswegen haben wir dort auf dem Hinflug nach Neuseeland unseren ersten Halt gemacht. Und tatsächlich, Melbourne schien nur schwer zu toppen. Eine geschäftige Großstadt, die alles zu bieten hat, was man braucht und doch super gemütlich ist. Einkaufsstraßen, Parks, Sehenswürdigkeiten, Flusspromenaden mit schicken Cafés, schöne Hafenviertel und Strände sind bequem zu Fuß oder mit der kostenlosen Straßenbahn zu erreichen, es gibt richtig guten Kaffee und leckeres Essen und überhaupt haben wir uns einfach pudelwohl gefühlt.

Aber man muss schon sagen: Sydney hat sich wirklich alle Mühe gegeben, im besten Glanz für uns zu erscheinen. Während unseres Aufenthalts fanden gleich zwei große Festivals statt – das Vivid und das Filmfestival. Beim Filmfestival wurden über die Stadt verteilt Filme aus aller Welt gezeigt. Davon haben wir aber ehrlich gesagt nur recht wenig mitbekommen. In einem Biergarten lief gerade Star Wars auf einer großen Leinwand, während man sich vor dem Eingang mit Stormtroopern und Darth Vader fotografieren lassen konnte, aber das war’s dann im Großen und Ganzen auch schon. Deutlich mehr mitbekommen haben wir vom Vivid, dem Festival of Lights. Während der Dauer des Vivid findet im Stadtzentrum jeden Abend ein wunderbares Lichterspiel statt, bei dem unter anderem auch die Skyline mitsamt Oper und Harbour Bridge in buntem Licht erstrahlt.

Vivid Sydney
Vivid Sydney

Aber natürlich gibt es auch im Hellen viel zu sehen. Deswegen haben wir gleich am ersten Tag eine kostenlose Stadtführung mitgemacht, die tatsächlich nur durch Trinkgelder finanziert wird. Dabei haben wir viele interessante und lustige Dinge über Sydney und Australien erfahren. Darüber, wie die Briten das Land als Gefängnis benutzten, das Parlamentsgebäude ausschließlich durch Rum finanziert wurde und wie Sydney und Melbourne um die Stellung als Hauptstadt kämpften. Darüber, wie man zwischen Sydney und Melbourne einfach eine neue Stadt errichtete, die dann Hauptstadt wurde (Nein, Sydney ist nicht die Hauptstadt von Australien!), weil man sich partout nicht einigen konnte und wie man den Architekten der großen, berühmten Oper von Sydney einfach nach Hause geschickt hat, ohne ihm den vereinbarten Lohn für seine so bedeutende Arbeit zu entrichten.

Erstaunlicherweise lassen sich die wichtigsten Punkte in Sydney ganz leicht erlaufen. So konnten wir uns ganz gemütlich das Zentrum, den botanischen Garten, das noch immer erhaltene Ursprungsviertel The Rocks sowie die verschiedenen Hafenviertel mitsamt der Oper und der Harbour Bridge anschauen. Zwischendurch sind wir noch mit einer alten Schulfreundin essen gegangen, die gerade in Sydney als Au Pair arbeitet. Und da man in ganz Sydney und Umgebung für maximal 15 AUD (~ 10 EUR) am Tag mit sämtlichen öffentlichen Verkehrsmitteln fahren kann, haben wir noch einen Abstecher zum berühmten Surferstrand Bondi Beach gemacht und uns auf einer Fährfahrt die Skyline bei Sonnenuntergang vom Schiff aus angesehen.

Ausblick von der Harbour Bridge
Ausblick von der Harbour Bridge

Insgesamt hatten wir eine richtig schöne Zeit in Sydney, aber für uns hat trotzdem Melbourne die Nase vorn. Fest steht jedenfalls, dass wir diesem Land noch so einiges an Zeit widmen werden.

– Tini